Öffentlicher Dienst: biete Beamtenstatus, suche Auszubildende

25 Februar 2020 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 7 Minuten

HR allgemein

Der Verwaltungsbeamte ist das Wappentier des öffentlichen Dienstes. Geprägt wird die Vorstellung seiner Tätigkeiten von dem Eindruck der Bürger. Bittet man einen Deutschen sich den Berufsalltag eines Beamten vorzustellen, endet in der Fantasie des Befragten allzu häufig in einem vollgestellten Raum, in dem der bürokratische Erbsenzähler schon sehnsüchtig darauf wartet den Antragssteller im Namen des Staates zu drangsalieren. Diese Vorstellung hält sich immer noch hartnäckig. Den Kontakt zu Behörden und Ministerien des Landes empfinden viele als eine unangenehme Erfahrung. Sorgt die verehrte deutsche Bürokratie doch öfter für einen handfesten Papierkrieg. Hinzu kommen noch unmögliche Öffnungszeiten und schlechtgelaunte Angestellte, zumindest so die Empfindung vieler.

Der öffentliche Dienst leidet unter diesem Image. Früher galt des Land und der Bund als zuverlässiger, lebenslanger Arbeitgeber. Die Beamten zeichneten sich durch die Detailtreue und Pflichtbewusstsein aus und wurden für ihre Beitrag zur Gesellschaft geschätzt. Die Kombination aus Sicherheit, Wertschätzung und Pension machten die Stellen heiß begehrt. Doch diese Zeiten liegen inzwischen weit in der Vergangenheit.

Nun ist der Ruf und die Berufsbilder des öffentlichen Dienstes überwiegend negativ geprägt. Nach der Wende und dem Zusammenschluss von Ost und West, sorgte der strenge Sparkurs des Staates für einige Probleme an der Behördenfront. Es musste gespart werden und das am liebsten bei den Personalkosten. Nichtverbeamtete Angestellte wurden entlassen, Positionen blieben unbesetzt oder wurden ganz abgebaut. Ganze Behörden wurden zusammengelegt und die Standorte wurden geschlossen. Das bedeutete für die verbleibenden Beschäftigten ein immenses Arbeitspensum, an denen sie nur scheitern konnten. Die Überstunden und der Stress waren dadurch vorprogrammiert. Das Bild des schlechtgelaunten Beamten formte sich.

Nun standen eben die Behörden der Kommunen und Länder kurz vor dem bürokratischen Zusammenbruch. Das Sinnbild dafür sind die Bürgerämter in Berlin. 2017 zog die schwarze-rote Regierung die Notbremse und stellte die Mittel für 1254 neue Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst. Doch der Versuch neue Mitarbeiter zu rekrutieren löste das Problem nicht. Der Staat ließ jahrelang zu, dass das Berufsbild des Beamten verkam. Die fehlende Attraktivität der Berufsbilder sorgte für das Desinteresse der jüngeren Generationen. Über Jahre hinweg entstand ein Nachwuchsmangel, in der Ausbildung und dem Studium.

Fragwürdig war, von wem die 1254 neuen Vollzeitstellen besetzt werden sollten. Denn der schlechte Ruf und die unattraktiven Arbeitsbedingungen sorgten beim Nachwuchs nur für Desinteresse

Der Beamte ist vielfältig, ebenso ist es der Ausbildungsplatz

Es beginnt mit der Auswahl des richtigen Dienstgrades. Ob einfacher, mittler oder höherer Dienstgrad, dieser war entscheidet für die Karriere und berufliche Zukunft. So relevant wie früher, ist der Dienstgrad wahrlich nicht mehr. Der Staat hat umgestellt und bietet seinen Mitarbeiter, unabhängig vom Beamten- oder Angestelltenstatus, bessere Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Einzig bei der Polizei, Bundeswehr und dem Justizdienst ist der Dienstgrad von Bedeutung.

Ob als Erzieherin im Kindergarten der Kommune, Klärwerksmitarbeiter oder Gemeindeförster, die Berufsbilder des öffentlichen Dienstes bestehen schon lange nicht mehr aus Schreibtischjobs. Die Behörden suchen ebenso nach Informationsassistenten, wie die Schulen nach Sonderpädagogen und Lehrern. Nur scheinen diese Berufsbilder und unterschiedlichen Branchen eher unbekannt zu sein.

Derweil wuchs auch das Interesse der Wirtschaft an Fachkräften aus dem öffentlichen Dienst. Über die letzten Jahre hinweg, entstand ein regelrechtes Ringen zwischen den Parteien. Der öffentliche Dienst lockte mit Tarifverträgen und Beamtenstatus. Die Wirtschaft hingegen gewann den Kampf mit besseren Gehältern und Aufstiegsmöglichkeiten. Die mögliche Gehaltserhöhung verleitete viele Mitarbeiter dazu, sich gar nicht erst verbeamten zu lassen. Die Tür in die Wirtschaft wurde sich offengehalten und die Niederlegung des Beamtenstatus wurde gängig.

Wer als Personaler im öffentlichen Raum glaubt, dass ein halbwegs sicherer Arbeitsplatz und eine kleine Rentenpension reichen, um heutzutage neue oder gar erfahrene Fachkräfte anzuwerben, liegt falsch.

Ein Dienst an den Bürgern und dem Mitarbeiter!

Was der öffentlichen Hand, neben Nachwuchs, fehlt, ist eine Kombination aus drei großen Komponenten. Zu Beginn steht die Lösung des Images- und Kommunikationsproblems. Der öffentliche Dienst ist soviel mehr. Das sollte auch dementsprechend vermittelt werden. Schließlich interessiert sich der große Teil der Schüler*innen nur für Berufsbilder, welche im näheren oder direkten Umfeld bekannt sind, so der OECD in der Studie von 2018. In das Image hat der Staat einiges investiert. Die Polizei verstärkte ihre Rekrutierungsbemühungen mit zugänglicheren Praktika und Messeauftritten. Die Bundeswehr setzte die ersten großangelegten Social-Media-Offensiven an und sorgte damit für positive, wie kritische Impressionen. Mit der Erschließung des digitalen Recruitings gelang es der Digitalisierung weiter in den Alltag und das Bürokratiewesens des Staates vorzudringen. Eine längst überfällige Investition in die Rekrutierung.

Ebenso überfällig ist die Digitalisierung der deutschen Behörden. Nicht nur um die Dokumentations- und Arbeitsprozesse zu vereinfachen, sondern auch um den Staat ins digitale Zeitalter zu heben. Ein gutes HCM-System sorgt für zufriedenere Mitarbeiter und schafft eine solide Ausgangsbasis für alle weiteren Personalentwicklungsmaßnahmen.

Das digitale Natives lieber mit Software und Co. arbeiten als mit Aktenordnern bedarf keiner Erklärung. Das der Beruf spaß machen muss, ist für die nachrückenden Generationen, wie für die Millenniums, besonders wichtig. Passioniert und engagiert zu sein, ist keine Vorrausetzung des Arbeitgebers mehr, sondern ein Bedürfnis der Mitarbeiter. Es geht um den Mehrwert in der Arbeit. Um die Wertschätzung und das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun. Dieser Ansatz konnte der entscheidende Vorteil des öffentlichen Dienstes im Kampf um gute Arbeitskräfte sein. Scheint es der Staat einen realen Mehrwert zu schätzen, ist er konkurrenzfähig. Der Beamtenstatus, interessante Berufsbilder, einen Mehrwert und einen sicheren Arbeitsplatz sind eine Kombination, die es mit den hohen Gehältern des freien Marktes aufnehmen kann. Denn dem Nachwuchs geht es inzwischen um mehr als irgendeinen Beruf oder Gehalt. Es geht um das Große und Ganze, auch im öffentlichen Dienst.

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