Born to be wild? Nutzen und Sorgen beim Einsatz von Freelancern

22 November 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

Arbeitsmarkt

Der Einsatz von Freelancern ist inzwischen fester Bestandteil der Abläufe in vielen Unternehmen. Man schätzt Flexibilität, Kompetenzen und Einsatzbereitschaft dieser freien Mitarbeiter entledigt sich auf diese Weiser der Risiken, welche feste Anstellungsverhältnisse mit sich bringen. Eine Win-win-Situation, sollte man also meinen. Allerdings birgt auch die Beschäftigung von Freelancern teilweise erhebliche Risiken und nicht in jedem Falle ist es ratsam, auf „Freie“ zurückzugreifen. Doch in der Not bleibt manchmal keine Wahl.

Frei oder nicht frei, das ist oft die Frage. Wer beispielsweise mit Blick auf IT nach Mitarbeitern sucht, dem weht ein inzwischen eklatanter Fachkräftemangel entgegen und viele Kompetenzträger in dieser Branche bevorzugen inzwischen eher freie bzw. projektbezogene Mitarbeit in Unternehmen. Doch auch in anderen Bereichen ändert sich die Mentalität gerade jüngerer Fachleute, die sich als Freelancer eher frei und unabhängig fühlen als sie dies in Festanstellung täten. Dazu kommt zumindest auf den ersten Blick ein deutlicher Unterschied zwischen den Entgelten bei fester Beschäftigung und den ungleich höheren Tagessätzen für Freischaffende. Vor diesem Hintergrund erscheinen eher Unternehmen auf der Suche nach guten Leuten unfrei in ihren Möglichkeiten, nicht immer besteht für sie in Sachen Mitarbeitersuche die bequeme Wahl zwischen „frei“ und „fest“.

Schriftlicher Vertrag empfohlen

Sollte die Entscheidung oder auch die Situation in Richtung Freelancer gehen, so müssen einige Regeln beachtet werden, um das Risiko böser Überraschungen wenigstens zu minimieren. Dazu gehört, mit jedem freien Mitarbeiter einen schriftlichen Vertrag über die vereinbarten Leistungen und die Bezahlung zu schließen. Es kann immer zu juristischen Auseinandersetzungen kommen und wer dann ein solches Dokument vorweisen kann, ist klar im Vorteil. Ein schriftlicher Vertrag hat auch andere Vorteile, wenn darin etwa formuliert ist, dass der freie Mitarbeiter nicht weisungsunterbunden ist und auch seine Arbeitszeit selbständig bestimmen kann. Derartige Passagen sind zum Beispiel bei Betriebsprüfungen klare und äußerst hilfreiche Argumente gegen Scheinselbständigkeit.

Fallstrick „Scheinselbständigkeit“

Überhaupt ist das Thema Scheinselbständigkeit bei sogenannt freien Mitarbeitern ausnehmend heikel, denn es kann über teure Nachzahlungen von Beiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung und von Lohnsteuer im äußersten Fall sogar zu einer Anzeige wegen Sozialversicherungsbetrugs kommen. Dies kann passieren, wenn dem „Auftraggeber“ unterstellt wird, er habe wider besseren Gewissens gehandelt, um die gebotene Festanstellung eines „Scheinselbständigen“ zu vermeiden. Hinzu kommt, dass auch der freie Mitarbeiter selbst aktiv werden und eine Festanstellung einklagen kann, mitsamt aller Folgen in puncto Urlaubsentgelt oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch für zurückliegende Zeiten.Daher ist aus Sicht des beauftragenden Unternehmens stets darauf zu achten, die üblichen Anhaltspunkte für eine Scheinselbständigkeit nicht zu leben. Die folgenden Indizien weisen grundsätzlich auf eine Scheinselbständigkeit hin und sind daher zu vermeiden:

  1. Der „Freelancer“ ist weisungsgebunden und muss Abwesenheiten wie Urlaub melden oder sogar beantragen.
  2. Der „Freelancer“ ist ortsgebunden, seine physische Anwesenheit im Unternehmen wird erwartet.
  3. Der „Freelancer“ ist in die Organisation des Unternehmens eingegliedert und hat möglicherweise sogar ein Büro, eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse des Betriebs.
  4. Der „Freelancer“ hat keine anderen Auftraggeber oder nur geringfügiges Auftragsvolumen von anderen Auftraggebern
  5. Das Unternehmen hat Angestellte mit vergleichbaren Aufgabenfeldern
  6. Dem „Freelancer“ werden Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt, die er als eigenständig tätiger Unternehmer selbst haben müsste.

Diese und weitere Indizien weisen auf eine Scheinselbständigkeit hin. Falls es Unsicherheiten gibt, kann immer auch die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung konsultiert und mit einem Statusfeststellungsverfahren beauftragt werden.

Fazit

Es kann für Unternehmen sehr reizvoll sein oder auch situationsbedingt notwendig sein, sich für bestimmte Tätigkeiten freier Mitarbeiter zu bedienen. Bei Freelancern entfällt eine Menge an administrativen Aufgaben und auch Themen wie Urlaub, Krankheit oder Kündigungsschutz sind nicht gegeben. Andererseits sollten im Vorfeld genau die Unterschiede zwischen fester und freier Mitarbeit dargestellt und später auch gelebt werden, wenn man sich nicht unnötigen Risiken aussetzen möchte.

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