Prävention: Burnout-Risiko im Home Office

1 Mai 2020 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

Arbeitsmarkt
Für viele Unternehmen ist die Burnout-Symptomatik bittere Realität. In der heutigen Arbeitslandschaft, in welcher eine hohe Überlastung zum Berufsalltag gehört, ist die Prävention zu einer Notwendigkeit geworden. Nun verlangt die Corona-Pandemie die Arbeit in den eigenen vier Wänden. Die Prävention wird erheblich erschwert, durch die individuelle Natur eines jeden Arbeitsplatzes Zuhause. Ein weiterer Grund, um die Eigenschaften und Symptomatik nochmal klar zu definieren und neue Präventionsmaßnahmen als Arbeitgeber festzulegen.

Burnout verstehen – Risikoquellen und Konsequenzen festlegen

Als chronische Erschöpfung wird ein Burnout beschrieben. Es ist der Oberbegriff für eine Kombination von körperlichen und seelischen Beschwerden. Ab 1974 wurde das Phänomen erstmal vom amerikanischen Psychotherapeuten Herbert J. Freudenberger beschrieben. Seit der Zweitausender Wende ist es auch in deutschen Büros angekommen. Es brauchte jedoch weitere zehn Jahre bis das Störungsbild ernsthaft als Krankheit und mögliches Leidensbild von Arbeitgebern und Kollegen anerkannt wurde. Mit den Symptomen Erschöpfung und Lustlosigkeit verband man lange schlechte Charaktereigenschaften wie z. B Faulheit oder Desinteresse. Dabei findet das Burnout seinen Ursprung im Gegenteil. Überarbeitung, chronische Belastung und Stress sind die Ursache und der Ursprung der folgenden Beschwerden.

Die fünf Hauptrisikofaktoren, welche ein Burnout beeinflussen können:

  • Arbeitsorganisation, d. h. die Art und Weise, wie das Unternehmen arbeitet, seine Struktur, die Aufgabenverteilung
  • Arbeitsbedingungen, d. h. die spezifischen Parameter des Arbeitnehmers (seine Arbeitszeit, sein Gehalt)
  • Arbeitsumfeld und -bedingungen, d. h. die physische Arbeitsumgebung (Lärm, Helligkeit, zur Verfügung gestellte Werkzeuge)
  • Der Inhalt der Arbeit, d. h. die den Mitarbeitern zugewiesenen Aufgaben, ihre Intensität sowie ihre Anforderungen (körperliche, geistige Arbeit, ...)
  • Zwischenmenschliche Beziehungen bei der Arbeit, d. h. soziale Beziehungen zwischen Kollegen, aber auch mit dem Management und sonstigen Dritten

Diese Faktoren sind deshalb so interessant, weil sie in Kombination mit dem Home-Office die Mitarbeiter ganz unterschiedlich beeinflussen.
Im Home-Office sind die Hauptrisikofaktoren ähnlich, nur verändern sich die Gründe, weshalb die Faktoren ein Burnout beim Angestellten begünstigt.

  • Arbeitsorganisation, z. B findet keine Trennung von Arbeitszeit und Privatleben statt.
  • Arbeitsbedingungen, z. B die ständige Erreichbarkeit und das Wissen der Kollegen jederzeit erreichbar zu sein, fördert Stress.
  • Arbeitsumfeld- und Bedingungen, z. B die Kinderbetreuung oder leben an einer Hauptverkehrsader sorgen für unvermeidbaren Lärm oder fehlende passende Büroausstattung verursacht körperliche Beschwerden.
  • Der Inhalt der Arbeit, z. B können spezielle Aufgaben durch fehlende Unterstützung oder Equipment nicht im gewohnten Standard ausgeführt werden.
  • Zwischenmenschliche Beziehungen bei der Arbeit, z. B findet kein persönlicher Kontakt zu Kollegen statt. Mitarbeiter arbeiten allein und leiden unter dem persönlichen Kontaktverlust.

Es glitt nun diese veränderten Risikofaktoren zu erfassen und die Präventivmaßnahmen ins Home-Office zu übertragen.

Präventivmaßnahmen für das Arbeiten im Home-Office

Die Anzeichen rechtzeitig erkennen

Angesichts der vielen voreingenommen Meinungen zum Thema Burnout erschien es notwendig das Thema erneuert aufzugreifen, um Klischees abzubauen und das Unternehmen auf verschiedenen Ebenen zu sensibilisieren. Es ist zu hervorheben, dass es besonders die engagierten Mitarbeiter betrifft, die viel Herzblut in ihre Arbeit stecken. Diese Angestellten sind in der Regel mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung konfrontiert, die so weit geht, dass sie viele Überstunden leisten bis ihre Energiereserven erschöpft sind.

Sie fallen auch durch bestimmte Verhaltensweisen, wie z. B. die systematische Aufschiebung ihres Urlaubs oder das Trinken von viel Kaffee, auf. Diese Personen können manchmal ein wenig gereizt oder nervös wirken und scheinen sich abzuschotten, indem sie auf ihre Mittagspausen verzichten oder übliche Aktivitäten wie Sport mit Kollegen während der Mittagspause chronisch ablehnen. Es kann auch vorkommen, dass sie regelmäßig einige Tage krankgeschrieben werden (z. B. durch immer wiederkehrende Kopfschmerzen). Deshalb ist es für die Mitarbeiter im Home-Office sehr wichtig, eigene Arbeitszeiten zu definieren. Der tägliche Arbeitsrhythmus sollte auch Zuhause möglichst erhalten bleiben.

Dabei geht es nicht um die Arbeit von acht bis um siebzehn Uhr. Die Arbeitszeiten richten sich an der Kernarbeitszeit des Unternehmens aus und nach dem täglichen Saldo. Dennoch ist es wichtig, dass dem veränderten Tagesablauf den Arbeitszeiten anpasst. Sich vorsorglich mehr Zeit einzuplanen, um in Ruhe mit den Kindern Mittagessen zu können. Das vermeidet Stress und verringert gleichzeitig das Burnout-Risiko.

Über Burnout sprechen…

… ist die Grundlage eines erfolgreichen Präventionsplans. Wenn die Mitarbeiter gut darüber informiert sind, was ein Burnout ist und was es mit sich bringt, kann jeder im Unternehmen auf die Warnzeichen achten. Jeder kann dann eingreifen, wenn ein Kollege unter zu viel Stress, emotionaler oder körperlicher Erschöpfung zu leiden scheint. Leider ist die statistisch häufigste Reaktion, die Verleugnung der mentalen Gesundheit des Kollegen. Leider müssen viele Mitarbeiter „abstürzen“, um die Situation zu erkennen und über ein Wiederaufstehen nachzudenken. Niemand ist verpflichtet, das Unmögliche zu tun, aber Kommunikation und Prävention verhindern einen Teil der Schuldgefühle, von denen die Kollegen eines Mitarbeiters mit Burnout oft betroffen sind. „Wenn ich es nur gewusst hätte“ gehört zu den häufigsten Reaktionen nachdem ein Mitarbeiter in das Krankheitsbild Burnout abgerutscht ist.

Mitarbeiterbefragung und die Dokumentation von Indikatoren

Die Mitarbeiterbefragung im Home-Office ist ein wichtiges Tool, um alle Probleme und Sorgen des Personals in dieser Ausnahmesituation schnell zu erfassen. Auch wenn sich die Gründe für diese Indikatoren sich unterscheiden mögen, sind die Lösungen individuell anwendbar.

Je nach Branche und Unternehmen ist angeraten, genau zu bestimmen, welche Präventionssignale für die Branche spezifisch sind. Wenn es sich z. B. ein dienstleistungsorientiertes Unternehmen handelt, das von 9 bis 17 Uhr arbeitet, können Sie sich auf Überstunden, nicht genommene freie Tage, übermäßige Arbeitsbelastung, Anzahl der Fehlzeiten, abends und am Wochenende verschickte E-Mails usw. konzentrieren.

Um effektiv zu sein und genau zu wissen, wann ein Fall kritisch wird, müssen diese Indikatoren natürlich kontinuierlich beobachtet werden. Zeit- und Teammanagement-Tools wie ProTime können dann für Sie von Nutzen sein. Sie ermöglichen es Ihnen, festzustellen, wann sich ein Indikator im roten Bereich befindet und dass es Zeit zum Handeln ist, insbesondere für den Manager des betreffenden Mitarbeiters.

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