Das Ende der klassischen Erwerbsarbeit - Teil 1

13 Dezember 2017 - - Das Lesen dieses Beitrages dauert 5 Minuten
Arbeitsmarkt
Es war einmal ein Arbeitsplatz, der über viele Jahre oder ein ganzes Berufsleben hinweg Woche um Woche jeden Montag gegen 8 Uhr die Türe für seinen Inhaber öffnete, ihn dort bis in den späten Nachmittag gewähren ließ, um gegen 17 Uhr das Ende des Schaffens einzuläuten – und dieses Procedere Tag für Tag wiederholte, bis eben Freitag war. An Wochenenden und Feiertagen blieb der Schreibtisch unbesetzt, ebenso während der Urlaube der erschöpften Arbeitnehmer.

Klassische Arbeit

Die hier beschriebene Form bezeichnen wir als klassisches abhängiges Arbeitsverhältnis, laut Arbeitsvertrag etwa 40 Wochenstunden, abzuleisten zu den „üblichen“ Arbeitszeiten an einem vorgegebenen Arbeitsort und während des Erholungsurlaubes natürlich nicht. In vielen Branchen wurde über etliche Jahrzehnte hinweg im Kern ziemlich genau in dieser Weise gearbeitet, obwohl auch andere Arten der Beschäftigung schon lange ergänzend eine Rolle im Wirtschaftsleben spielen. So gibt es in bestimmten Bereichen traditionell Menschen, die an Wochenenden, während der Nacht und an Feiertagen arbeiten müssen, weil eben nicht nur von „nine to five“ Menschen ärztliche oder pflegerische Hilfe brauchen, öffentliche Transportmittel nutzen möchten oder die Unterstützung der Polizei benötigen. Ebenfalls Tradition hat die Beschäftigung auf Teilzeit, etwa für junge Mütter oder Väter mit erheblichen familiären Aufgaben. Hinzu kommen viele geringfügig Beschäftigte, die aus allerlei Motivationen heraus nur stundenweise Erwerbsarbeit leisten, oft neben einer Hauptbeschäftigung. Und die „Kurzfristigen“, die für wenige Wochen beruflich erheblich Gas geben und anschließend den Rest des Jahres nicht mehr im Arbeitsleben stehen. Dazu die befristet beschäftigten Menschen – und die große Gruppe der Leiharbeitnehmer, stets im Einsatz für immer neue Unternehmen.

All diese atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind seit langem Teil des Wirtschaftslebens, doch das Herzstück der Arbeit bildete immer der unbefristet in Vollzeit zu festen Zeiten an festen Orten beschäftigte Arbeitnehmer. Es war einmal.

Im Zeichen der Veränderung

Bereits heute zeichnet sich das Bild der Beschäftigung von morgen ab. Eines ist klar zu erkennen – das Arbeitsverhältnis klassischer Art ist eine sterbende Idee. Natürlich haben wir es auf dem Weg in die Arbeit der Zukunft mit einer Bewegung unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu tun, denn Art und Ausgestaltung der Arbeit hängt von vielen Faktoren ab: Wie digital ist das Unternehmen, in dem man arbeitet? Ist es international vernetzt und wo? Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an? All diese Fragen haben selbstverständlich Einfluss auf den Arbeitsplatz. Allein, am Ende wird es den Beschäftigten gewohnter Machart nach den heute berühmten Regeln so gut wie nicht mehr geben. An seine Stelle werden flexible Arbeitsverhältnisse unterschiedlichster Ausprägung treten. Der Arbeitsplatz wird wachsend dezentralisiert, die Zeiten der Beschäftigung werden extrem flexibilisiert, „die Firma“ wird immer mehr zum virtuellen Ort. Der Begriff der Unternehmenstreue wird eine neue Definition erfahren, Befristung dürfte die Regel sein. Nationale Grenzen mit ihren Regelungen zu Arbeit und Arbeitsschutz werden überflutet von global handelnden Konzernen, die sich an keine Gesetze mehr gebunden fühlen und stattdessen auf ständig gelebte Wahlfreiheit setzen – auf Seiten der Betriebe und der Beschäftigten.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Weitere Informationen

Kontaktieren Sie uns

Folge uns auf: