Das Ende der klassischen Erwerbsarbeit - Teil 2 - Nichts bleibt, wie es war

14 Dezember 2017 - - Das Lesen dieses Beitrages dauert 6 Minuten
Arbeitsmarkt

Doch warum sieht die Zukunft der Arbeit genauso aus. Warum bleibt nicht alles, wie es war?

Die Antwort ist so schlicht wie zutreffend: der technische Fortschritt hat uns diesen Weg geebnet und kein Mensch wird ihn wieder zurückdrehen können. Was mit modernen Transportmitteln zur raschen Beförderung von Menschen durch die weite Welt begann, mündet nun in eine Art Globalisierung 4.0, in welcher bald niemand mehr reisen muss, um überall zu sein. Der Begriff „Digitalisierung“ ist inzwischen schon derart umfänglich und auch beliebig im Gespräch, dass er in vielerlei Ohren schon abgedroschen klingt. Gerne wird er zum Lukas gemacht, auf den alle einmal kräftig hauen dürfen, wenn sie einen Schuldigen für die Misere der Welt benötigen. Doch kann man es nennen, wie man will – eben diese Digitalisierung, eben dieser rasante technologische Fortschritt macht nicht nur unser Privatleben vordergründig angenehmer, sondern verändert auch grundsätzlich die Weise, in der wir arbeiten. Wir suchen uns Freundschaften und Partner in Chatrooms, nehmen an Partys und Konzerten von zuhause aus teil, pflegen Freundschaften per Skype und steuern den Kühlschrank im schwäbischen Heimatort vom Hotelpool unseres Urlaubsortes aus. So viel Fantasie braucht es also nicht, um sich vorzustellen, dass die Verzückungen der Moderne sich auch auf die Welt der Arbeit auswirken.

Ich behaupte: Der Projekt- oder Leiharbeitnehmer, die Freelancerin oder der befristet Beschäftigte werden das Gros der arbeitenden Menschen von Morgen stellen. Der Begriff der Arbeitsplatzsicherheit wird eine neue Wertigkeit erfahren, denn wo viel gewechselt und verändert wird, bieten sich auch permanente Möglichkeiten, neu in Beschäftigung zu kommen. Schon heute zeigt sich in europaweiten Befragungen eine hohe Bereitschaft insbesondere jüngerer Menschen, sich auf neuartige Arbeitszeitmodelle einzulassen, wenn sie im Gegenzug neben Geld und neuen Qualifikationen auch Flexibilität und Freiheit durch diese Beschäftigungsformen erhalten. Gerade die Werte Freiheit und Flexibilität gewinnen rasant an Bedeutung bei den Menschen, denn richtig organisiert kann eine solche Arbeit einen enormen Gewinn an Lebensqualität und die optimale Verbindung von Arbeit und Privatleben bedeuten – selbst wenn der Job nicht von langer Dauer sein sollte. Es findet sich in einer flexiblen Arbeitswelt immer etwas Neues, diese Grundüberzeugung gewinnt zunehmend Freunde.

Wer in einer digitalen Welt von überall aus zu nahezu jeder Zeit arbeiten kann, hat also große Gestaltungsmöglichkeiten –und damit auch erhebliche Verantwortung für sich und sein Leben, die ihm sein Arbeitgeber in vielen Fällen nicht mehr so abnehmen wird wie dies heute noch der Fall ist. Wie lange arbeite ich heute, wie lange morgen? Werde ich auch am Wochenende etwas tun oder im Urlaub manche Dinge koordinieren? Freiheit kann auch zur Falle werden – wenn man nicht vernünftig damit umgeht.


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