Industrie 4.0: Der Mensch rückt in den Mittelpunkt

Sigurd Seifert - 29 Januar 2020 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

HR allgemein

Die vierte industrielle Revolution ist weder laut noch schmutzig. Sie schlägt eher leise Wellen. Auf der Hannover-Messe der deutschen Industrie im vergangenen Jahr konnte man die Veränderungen trotzdem deutlich erkennen. Die Industrie bereitet sich darauf vor, in ein neues Zeitalter aufzubrechen. Ausgebremst wird diese Aufbruchstimmung von der Komplexität der Inhalte. Noch nie waren die Themen und Anforderungen einer industriellen Revolution von so komplizierter Natur. Aus unserer Perspektive wirkte im 18. Jahrhundert alles so Simple, als die Industrie 1.0 noch in den Kinderschuhen steckte. Mit Dampf und Wasser wurden die ersten mechanisch Produktionsanlagen angetrieben. Darauffolgte Ende des 19. Jahrhunderts die industrielle Massenproduktion von Konsumgütern mit Hilfe von Fließbändern und Anlagen. Die Elektrizität und maschinelle Arbeitskraft wurden von einer knappen Ressource im 19. Jahrhundert zum Teil der Standartausstattung des 20. Jahrhundert. 

Die Industrie 3.0 hingegen definierte sich nicht mehr durch den Einsatz von Arbeitskraft und Mechanik. Betitelt als die digitale Revolution oder den Beginn des Computerzeitalters, beschreibt der dritte Umbruch in der Industrie die und Entwicklung Einführung von Computertechnologien. In jener Phase konnte sich der Computer gegenüber anderen Maschinen verstärkt abheben. Im täglichen Gebrauch bot ein Computer bessere Bearbeitungsmöglichkeiten als eine Schreibmaschine. Die Gewinner und Verlierer der dritten industriellen Revolution standen also schnell fest. Die Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen führten zu einer effizienteren Ressource-Planung, Produktion und Automatisierung. Ein Gewinn für alle Bereiche der Industrie.

Brofist zwischen Mensch und Maschine

Die vierte industrielle Revolution spielt sich gerade vor aller Augen ab. Wir können förmlich dabei zusehen, wie sich die Industrie, die gesamte Arbeitswelt, ein weiteres Mal grundlegend verändern wird. Ganz im Sinne der Technologie vernetzten und synchronisierte sich der Mensch mit der Maschine. Dadurch geschaffen wurde eine noch nie dagewesene Kommunikation. Befreit von allen Grenzen, weder durch Entfernung, Zeitunterschiede oder Raum. Die neuen Systeme und Softwaren sind intelligenter als jemals zu vor und machen diese neue Art der Kommunikation erst möglich. Sie verbinden uns und sind dazu in der Lage ganze Aufgabengebiete zu ergänzen oder ganz zu übernehmen.

Die nächste Generation der Softwareanwendungen kann noch mehr als kommunizieren.

Die Industrie 4.0 hat für jedes Problem die passende Softwarelösung. Einige dieser schlauen Systeme erkennen Lagerbestände aller Produktionsstätten, unabhängig vom Standort. Können die Konkurrenz analysieren und lassen keine Information im World Wide Web unentdeckt. Und das Beste ist, sie reparieren sich selbst, sorgen mit der IT-Sicherheit für ihren eigenen Schutz und lernen selbstständig. Die Möglichkeiten wirken endlos.

Seit der Einführung solcher hochleistungsstarken künstlichen Intelligenzen, hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Es ist der größte Wandlungsprozess aller Zeiten. Auch wenn diese extreme Veränderungen Angst machen können und viele Aufgabenbereiche komplett abgelöst werden, sollten wir die digitale Transformation der Industrie als Chance für uns begreifen. Denn die Vernetzung ist eine Chance für den Menschen von eintöniger, körperlicher Arbeit befreit zu werden und sich bedeutungsvollerer Aufgaben zu widmen. Das durchschnittliche Qualifikationsniveau wird in den nächsten Generationen deutlich ansteigen und der Anteil an monotoner Arbeit im Beruf sich verringern. Ein Grund zur Freude für alle Arbeitnehmer.

Altes geht, neues kommt

Aus diesem Grund müssen die Personalabteilungen rechtzeitig reagieren und die Mitarbeiter anderer Arbeit zu weisen. Um diesen Übergang verlustfrei zu meistern, bedarf es einer vorausdenkenden Personalabteilung und einer strategischen Umstrukturierung des Personals. Neue Strukturen durch Umschulung- und Weiterbildungsangebote, sind die Grundvoraussetzung, um keinen High Potentials oder Leistungsträger zu verlieren.

Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Mitarbeiter wieder neugierig zu machen, andere Fachgebiete zu entdecken, alte Kompetenzen erweitern und Zukunftsprojekte zu starten. Solche radikalen Veränderungen im Berufsleben können abschreckend und verängstigen wirken. Diese Bedenken müssen von der Personalabteilung zerstreut werden. Es gilt die Mitarbeiter mit richtigen Anreizen zu motivieren und positives Engagement zu fördern.
Denn eins sollte klar sein, die künstlichen Intelligenzen können viele Aufgaben übernehmen, doch die Kreativität, das soziale Miteinander und die gegenseitige Empathie wird immer dem Menschen vorbehalten sein. Je digitaler unsere Berufsleben wird, desto dringender werden soziale Kernkompetenzen benötigt.

Der Mensch kann nicht ersetzt werden. Seine Kreativität, Empathie und das soziale Miteinander werden in Unternehmen wichtiger denn je sein.

Wie bei jeder industriellen Revolution wird die Veränderung langfristig siegen. Wie wir damit umgehen, entscheiden wir in der Gegenwart. Eins steht fest, ob wir es wollten oder nicht, unser Berufsleben und der Arbeitsmarkt werden nicht mehr dieselben sein. Soziale Kompetenzen sind die neue Schlüsselqualifikation, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden

Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens am Arbeitsplatz. Insgesamt neun Stunden pro Tag. Das sind immerhin fast 40 Prozent unseres gesamten Tages. Ist man mit seiner Tätigkeit, seinem Arbeitsumfeld oder dem Arbeitgeber unzufrieden, überträgt sich diese Unzufriedenheit auf unsere Produktivität und Wohlbefinden. Neben einem unzureichenden Gehalt ist Frustration am Arbeitsplatz eine der Top drei Gründe für einen Arbeitgeberwechsel. Begünstigt werden diese frustrationsbedingten Kündigungen durch einen derzeit attraktiven Arbeitsmarkt.

Für jedes Unternehmen ist eine hohe Mitarbeiterfluktuation ein geldwerter Schaden. Deswegen bemühen sich die Unternehmen bereits erheblich um Ihre Mitarbeiter als noch vor dreißig Jahren. Eine Notwendigkeit, denn es ist schwieriger geworden, neue Talente und High Potentials zu finden. Die Naturwissenschaften fordern ein hohes Maß an logischen Denkvermögen, ebenso wie die anspruchsvolle Informationstechnik. Einen Bewerber mit einer Passion, ausgeprägtem logischen Denkvermögen und einer passenden Ausbildung zu finden ist sehr schwer geworden.
Auch die Konkurrenz spürt den Mangel an qualifizierte Fachkräfte und wird genauso stark die Werbetrommel rühren, als man selbst. Der einzige Ausweg den Personalmangel erfolgreich zu bekämpfen ist eine starkes Personalmanagement und Recruiting.

Die Personalabteilung muss dafür sorgen, dass offene Stellenausschreibungen besetzt werden, die Mitarbeiter bleiben und sich in der Unternehmenskultur wiederfinden. Viel verlangt, wenn man bedenkt das der einzelne Mitarbeiter sich nicht nur in eine Kultur integrieren muss. Geprägt von Digitalisierung, Technologien und einer selbstregulierenden Organisations- und Wissenskultur wird die Integration von Mitarbeitern eine Herausforderung.

Diese komplexen Veränderungen funktionieren die Personalabteilung zu einem strategischen Ankerpunkt um. Das HR-Management muss dazu in der Lage sein Mensch, Maschine und die künstliche Intelligenz unter einem Dach zu vereinen und das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 voranzutreiben. Ohne motivierte, gut qualifizierte Mitarbeiter wird jeder Betrieb über kurz oder lang schließen. Ein erfolgreiches Unternehmen wird sich in Zukunft über seine Mitarbeiter definieren.

Chronischer Zeitmangel

Trotz der kürzeren Kommunikationswege und eine bessere Technologie hat der Personaler nicht mehr Zeit als vorher. Die Digitalisierung konnte vieles verbessern, nur bei der Personaladministration, dem Zeitfresser schlechthin, scheint sie in vielen Büros noch nicht durchgedrungen zu sein.

Administration, Dokumentation, Recruiting, Personalmanagement und die strategische Personalplanung, die Must-Do-Liste eines Personalers ist lang. Unbestreitbar hierbei ist, dass durch eine überfüllte Aufgabenliste zwangsläufig immer einige der Aspekte zu kurz kommen werden.
Die Personaladministration muss endlich revolutioniert werden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wäre bereits ein zuverlässiges HCM-System. Ganz im Sinne der Industrie 4.0. Ein Human Capital Management System bietet dem Personaler eine hervorragende Hilfestellung bei der Aufgabenbewältigung und Administration der Belegschaft. Es entlastet im Alltag und unterstützt durch eine verbesserte Vernetzung, Datenauswertung und digitale Dokumentation aller arbeitsintensiven HR-Aufgaben.

Die unternehmenseigene Datenbank dient als Basis für das HCM-Tool. Dort werden alle wichtigen Eckdaten eines Mitarbeiters eingespeist und aufbereitet, um sie im HCM-System zur Verfügung zu stellen. Einen Zugriff auf diese Daten hat meistens nur der zuständige Sachbearbeiter oder Vorgesetzte. In einem guten HCM-Tool wird immer eine Informationsplattform oder ein Employee-Service-Center zur Verfügung stellen. Schließlich soll die Lösung nicht nur Daten, Systeme und Führungskräfte zusammenbringen, sondern auch den Mitarbeiter.

Das Human Capital Management ist ein lebendiges System, dass die Ergebnisse und Veränderungen eines Unternehmens transparent sichtbar machen. Die Probleme und Hürden, welche gut sichtbar abgebildet werden, können schließlich auch besser bewältigt werden.

So kann die administrative Personalverwaltung, die strategische Personalentwicklung gezielt unterstützen. Vom Personalchef, bis zum Personalsachbearbeiter zum Mitarbeiter: Sämtliche Ebenen des Personalmanagements profitieren, vom Personalsachbearbeiter bis zum Mitarbeiter.

 

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