Ein Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland können nicht entscheiden, wann sie Urlaub nehmen

19 Juni 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 5 Minuten

HR allgemein

In vielen Bundesländer beginnen bald die Sommerferien. Im besten Fall lag der Urlaubsantrag für den jährlichen Familienurlaub schon im Frühjahr auf dem Schreibtisch der zuständigen Person. Ist der Urlaubsantrag eingereicht, folgt für viele Mitarbeiter das Warten. Im schlimmsten Fall trifft der Arbeitnehmer beim Chef und Kollegen auf Widerstand. Eine nicht unerhebliche Zahl der deutschen Arbeitnehmer ist nicht dazu befähigt, selbstständig über den Zeitraum des gesetzlichen Urlaubsanspruches zu entscheiden. Potenzieller Sprengstoff im Arbeitsalltag.

Der gesetzliche Anspruch versus die Realität des Arbeitsalltag

Beschäftigte Mitarbeiter mit einer fünf-Tage-Woche haben einen gesetzlichen Anspruch auf mindestens 24 Urlaubstage pro Kalenderjahr. Würde ein Mitarbeiter seinen vollen Jahresurlaub in Anspruch nehmen, könnte er sich einen ganzen Monat ausruhen. In der Wirklichkeit der Arbeitswelt erfahren solche langfristigen Urlaubsanträge meist keine Zustimmung. Zu lange würde die Aufgaben und Arbeit des Angestellten liegen bleiben, deswegen begrenzen viele Arbeitgeber im Arbeitsvertrag den Zeitraum auf maximal drei Arbeitswochen.

Wie sich dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Arbeitgeber und Kollegen auf das laufende Kalenderjahr auswirkt, hat der globale Payroll- und HR-Dienstleister SD Worx europaweit untersucht. In seiner Umfrage zu den Themen Zufriedenheit, Motivation, Beteiligung und Engagement von beschäftigten Europäern war die möglichst unabhängige Einteilung des Jahresurlaubs ein sehr wichtiger Faktor.

Die Umfrageergebnisse - Deutschland im Mittelfeld

Deutschland liegt bei der selbstständigen Einteilung des Jahresurlaubs im hinteren Mittelfeld. Nur 17 Prozent der Arbeitnehmer können in ihrem Arbeitsverhältnis absolut frei über die Einteilung ihres Urlaubes entscheiden. Immerhin 63,7 Prozent geben an, dass sie größtenteils dazu in der Lage während, ihren Urlaubanspruch mitzubestimmen. Einen ganz anderen Einblick gibt das letzte Viertel der Befragten ein. 13,1 Prozent sind trotz Urlaubsanspruchs stark von dem Arbeitgeber abhängig. Ganze 5,9 Prozent sind trotz des gesetzlichen Urlaubsanspruches nicht dazu in der Lage den Urlaub nach der persönlicher Lebenssituation auszurichten. Diese Abhängigkeit von Vorgesetzten und Kollegen schlägt sich nicht nur negativ in der Gesundheit des Mitarbeiters wieder, sondern auch in der Verbundenheit zum Unternehmen und dem Engagement.

Dabei ist der Anspruch auf Urlaub essienell für die Gesundheit der angestellten oder freien Mitarbeiter. Fremdbestimmter Urlaub führt häufiger zu Burn-outs, fehlende Motivation und einer geringeren Produktivität. Diese negative Grundstimmung kann sich auf die Moral des ganzen Teams übertragen. Deshalb sollten die Arbeitgeber bemüht sein, den Urlaubsantrag nicht nur am Arbeitsalltag auszurichten, sondern auch in den persönlichen Bedürfnissen des Mitarbeiters.

Deutschland sichert sich mit den Umfrageergebnissen den insgesamt vierten Platz aller befragten Ländern und ist damit immerhin noch vor den Niederlanden.

In Europa gilt: ein beantragter Urlaub ist noch keine Garantie für den nächsten Strandurlaub

Befragt wurden insgesamt sechs europäische Mitgliedsstaaten. Belgien befindet sich im Ranking auf dem ersten Platz. Ganze 35,1 Prozent der Arbeitnehmer können Urlaubsantrag eigenmächtig genehmigen und weitere 49,2 Prozent der Belgier fühlen sich im allgemein eher frei in ihrer in der Urlaubsplanung. Nur 15,7 Prozent der belgischen Arbeitnehmer sind leicht oder komplett eingeschränkt. Das sind nur knapp etwas mehr als ein Achtel. Zum Vergleich: in Deutschland sind zusammengerechnet 19 Prozent der Arbeitnehmer nahezu oder komplett abhängig von der Genehmigung des Arbeitgebers. Mit wenigen Prozentwerten hinter Deutschland, befindet sich unser Nachbar Frankreich. Dort ist es für Angestellte im Arbeitsverhältnis noch etwas schwieriger selbständig Urlaubsanspruch gelten zu machen. Ganze 13,5 Prozent bekommen in Frankreich ihren Urlaub fremdbestimmt zugewiesen. Der Kurzurlaub oder eine spontane Reise aus persönlichen Gründen bleibt damit ausgeschlossen. Weitere 15,1 Prozent sind im Arbeitsverhältnis stärker eingeschränkt. Zusammen addiert sind fast ein Drittel der Franzosen stark von der Genehmigung ihrer Vorgesetzten abhängig.

Immerhin über die Hälfte, 56,5 Prozent, der europaweit befragten Teilnehmer können sich ihren bezahlten Urlaub im Allgemeinen selbst einteilen.

Solidarisch, höflich und kollegial

Im Antrag an den leitenden Angestellten werden nicht nur die gesetzlichen Regelungen berücksichtigt. Für viele Arbeitgeber ergibt sich die angemessene Zeit für einen Urlaub des Mitarbeiters aus Arbeitspensum, persönlichen Gründen und dem Zeitplan der Kollegen. Um die nächste Reise besser planen zu können, sprechen viele Mitarbeiter deswegen auch mit ihren Kollegen. In Deutschland sprechen 29,7 Prozent der Befragten mit ihren Kollegen bevor sie einen Urlaubsantrag einreichen. Damit sprechen mehr Mitarbeiter ihren Urlaub mit anderen Mitarbeitern ab, als mit ihren Vorgesetzten. Mit ihren direkten Vorgesetzen sprechen lediglich 25 Prozent.

35,3 Prozent der deutschen Mitarbeiter machen sich die Mühe mit sowohl Vorgesetzten als auch Kollegen zu sprechen. Zum Vergleich, in Europa sprechen nur 31,8 Prozent der Angestellten mit Vorgesetzten und Kollegen. Damit liegt Deutschland leicht über dem Durchschnitt. Zu ganz anderen Ergebnissen kam die Umfrage in Großbritannien und den Niederlanden. 60,4 der Mitarbeiter in Großbritannien besprechen ihren Urlaub mit dem Vorgesetzten, gefolgt von 39,2 Prozent in den Niederlanden.

So wird bei der Auswertung der Zahlen schnell deutlich, Deutschland befindet sich im Wandel. Im Mittelfeld schneiden die Bundesrepublik besser ab als Vorreiter gehandelte Länder wie die Niederlande.

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