Viele Azubis sind nicht gesund

23 Dezember 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 5 Minuten

Personalmanagement

Über die Gesundheit von Auszubildenden in Deutschland ist bislang wenig bekannt. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat deshalb eine repräsentative Befragung zu ihrem Gesundheitsverhalten und den Belastungen am Arbeitsplatz durchgeführt, an der 1.420 Nachwuchskräfte aus 359 Klein- und Mittelbetrieben teilgenommen haben.
Danach bewerten knapp vier von fünf Azubis (83,2 Prozent) ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. Dennoch berichten 63,7 Prozent von ihnen von körperlichen und 52,3 Prozent von psychischen Beschwerden. Jeweils ein knappes Viertel gibt sogar an, dass sie häufig oder immer unter Verspannungen (27,8 Prozent), Kopfschmerzen (26,2 Prozent) oder Rückenschmerzen (21,7 Prozent) leiden. 43,2 Prozent berichten, dass sie sich immer oder häufig müde oder erschöpft fühlen.

Diese Symptome bringen die Azubis mehrheitlich mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung: Laut WIdO-Umfrage gibt mehr als jeder zweite Befragte (58,8 Prozent) mindestens eine arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerde an. Körperliche Gesundheitsprobleme werden dabei häufiger genannt als psychische Symptome (43,5 gegenüber 36,5 Prozent).
Arbeitsbedingungen werden überwiegend positiv beurteilt. Dennoch sind drei Viertel der Auszubildenden (79,8 Prozent) sehr zufrieden mit den Arbeitsbedingungen in ihrem Betrieb. So äußerten 68,4 Prozent der Befragten, dass sie durch die Arbeit angemessen gefordert werden. 90,4 Prozent erleben ihr Arbeitsklima als spannungsfrei und 83,4 Prozent fühlen sich im Kollegenkreis anerkannt. Auch das Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten bewertet die große Mehrheit als gut (87,7 Prozent).

„78 Prozent der Azubis sehen für sich gute Entwicklungschancen in ihrem Unternehmen. Das ist eine gute Nachricht für die Betriebe. Ausruhen können sie sich darauf jedoch nicht. Denn gerade bei den Themen Führung und Fehlerkultur gibt es laut unserer Befragung auch Defizite“, so Klaus Zok. So hat mehr als jeder fünfte Azubi (21,5 Prozent) Angst davor, bei der Arbeit Fehler zu machen. Ähnlich viele Auszubildende (20,9 Prozent) geben in der Befragung an, dass sie nur teilweise Anerkennung und Lob erfahren, weitere 7,2 Prozent erleben dies gar nicht. Dabei werden insbesondere Probleme mit dem Vorgesetzten von zwei von fünf Befragten (41,6 Prozent) als sehr stark oder stark belastend empfunden.

Anzahl der Fehltage variiert mit Lebensstil

Die Befragung des WIdO erfasst darüber hinaus das Bewegungs- und Ernährungsverhalten, die Schlafgewohnheiten, den Medienkonsum sowie den Konsum legaler oder illegaler Drogen. Auf Grundlage der Antworten wurde das Gesundheitsverhalten der Azubis in die Kategorien „eher gesundheitsförderlich“ und „eher risikoreich“ eingeteilt. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Gruppe der Auszubildenden mit einem eher gesundheitsförderlichen Verhalten deutlich seltener krank ist (durchschnittlich 6,7 Fehltage in den letzten zwölf Monaten) als die Vergleichsgruppe mit einem eher riskanten Gesundheitsverhalten (9,3 Fehltage). Im Durchschnitt gaben die Azubis in der Befragung 8,2 Krankheitstage in den letzten zwölf Monaten an.

Quelle: Aktuelle Befragungsergebnisse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zur Azubi-Gesundheit in Deutschland

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