Die Altherrenrunde für die Frau - Wieso Frauen sich häufiger zusammenschließen müssen

13 August 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

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Von einer Seilschaft oder Altherrenriege spricht man, wenn mehrere Männer mittleren Alters sich regelmäßig zusammenfinden, um persönliche Freundschaft und berufliches Engagement zu pflegen. Wahlweise am späten Abend mit einem hellen Weizen. Bedient wird bei dieser Beschreibung jegliches Klischee. Die Altherrenrunde ist in Unternehmen in Verruf geraten. Systematische Ausgrenzung, das Zuspielen von Gefälligkeiten und die klubartige Exklusivität gaben dem Ruf der Altherrenrunde den Rest. Dabei könnten von allem Frauen von dem Konzept der Altherrenrunde profitieren. Denn zu Beginn stand auch bei der Altherrenrunde etwas Positives im Fokus – die Solidarität.

Ein ziemlich altes Problem

Als „mehrdimensionale Diskriminierung“ beschreibt die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, die Umstände, mit denen sich Frauen in der Arbeitswelt ausnahmslos konfrontiert sehen. Sie können so unsichtbar und dezent sein, so aggressiv wie gewaltbereit. Es beginnt mit der Benachteiligung im Weiterbildungsprogramm bis zu einem ungerechten Gehalt oder mit systematischem Mobbing und endet im schlimmsten Fall mit sexueller Belästigung. Spätestens seit der Twitter #metoo-Kampagne im Oktober 2017 kann niemand mehr die Augen vor der mehrdimensionalen Diskriminierung am Arbeitsplatz verschließen. Sind die Erfahrungsberichte doch einfach zu vielzählig und erschreckend.

Laut einer Studie der „Workforce View in Europe 2018“ fühlt sich jede zehnte Frau im Berufsleben diskriminiert. Die Dunkelziffer könnte jedoch höher ausfallen. Spricht man über einen anonymen Kommunikationskanal, berichten fast ausnahmslos alle Frauen von mindestens einer Form der Diskriminierung am Arbeitsplatz. Das Problem ist altbekannt, vielschichtig und nicht fremd. Jeder hat es schon mal erlebt, auch die männlichen Kollegen. Dementsprechend wäre es „zu einfach“ die Schuld nur dem weißen, alten Mann in den Führungsvorständen zu zusprechen. Vielmehr sollte man voneinander lernen.

Eine Waffe gegen Geschlechterdiskriminierung hat sich bewährt und ist, wie es der Zufall so will, auch das Kernelement der Altherrenrunde, die Solidarität. Geprägt von Zusammenhalt, einem starken Gemeinschaftsgefühl und Empathie bietet die Solidarität untereinander den nötigten Rückhalt in Ausnahme- und Krisensituationen. Nur wirkt diese Lösung so einfach wie genial, dennoch stellt sich die Frage, wieso die in der Praxis nicht so einfach funktioniert?

Stichwort Stutenbissigkeit

Da ist es wieder, ein weiteres geschlechterspezifisches Klischee. Die Stutenbissigkeit beschreibt ein Phänomen, dass sich viele Männer nicht erklären können. Gelten Frauen im Berufsleben doch als teamfähiger und empathischer als der Mann. In einer gemischten Gruppenkonstellation ist Stutenbissigkeit, trotz engerer Zusammenarbeit, meistens kein Thema. In einer reinen Frauengruppe kommt es hingegen öfter zu Auseinandersetzungen unter den Beteiligten. Auch weibliche Führungskräfte sind von diesem Phänomen betroffen. Dementsprechend überraschend ist es nicht, dass nur jede fünfte Frau eine Chefin bevorzugt würde. Begründet wurde diese Entscheidung mit der fehlenden Kooperationsbereitschaft vonseiten der weiblichen Vorgesetzten. Größerer Druck und weniger Verständnis sowie fehlende Empathie seien die Gründe, wieso weibliche Vorgesetzte nicht allzu beliebt sind.

in weiterer Vorwurf ist, dass bei der Bewertung der Arbeit auch die Äußerlichkeiten des Gegenübers mit einfließen würden. Ebenso sei es schwieriger für Frauen Privates und Berufliches voneinander zu trennen. Wie es die Altherrenrunde schon deutlich macht, ist es für Männer einfacher berufliches und privates getrennt zu halten. Auch wenn es um Gefallen ginge, seien Männer schneller bereit sich gegenseitig zu unterstützen. Bei Frauen sehe das anders aus.

In der Meta-Studie von Daniel Balliet an der Universität Amsterdam zum Thema Stutenbissigkeit, konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei der Thematik nicht nur um eine Floskel aus dem Volksmund handelt, sondern, dass das Phänomen auch im professionellen Kontext vorkommt.
In der Studie, wie auch in diesem Beitrag, geht es nicht darum den Krieg und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu verschlimmern. Vielmehr geht es darum, wie solche geschlechterspezifischen Probleme gelöst werden könnten.

Eine überarbeitete Altherrenrunde für Frauen

Ein Lösungsansatz könnte das Prinzip der Altherrenrunde sein. Die regelmäßige Zusammenkunft mit Gleichgesinnten und Verbündeten verbessert nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl. Man könnte von einem zusätzlichen Supportsystem sprechen. Stress und Alltagssorgen im Berufsleben unterscheiden sich vielleicht in fachlichen Aspekten, aber nicht im zwischenmenschlichen Kern. Die Herausforderungen wie Stutenbissigkeit sind kein Einzelfall. Der Erfahrungsaustausch kann auch hier nützlich sein. Gute Beispiele für diese feminine Version der Altherrenrunde gibt es schon. Zum Beispiel in Hamburg beim Ladies Lunch. Mit einem Glas Rosé, interessanten und erfahrenen Frauen aus den unterschiedlichsten Sektoren. Frauen sollten sich, ebenso wie Männer, zusammenschließen. Unabhängig von Ort, Stellung und Unternehmen.

Frauen sollten sich weder für ihre beruflichen Interessen, noch für die Unterstützung beim Aufbau ihrer Karriere schämen müssen. Der aktive Austausch mit Kolleginnen und unternehmensfremden Frauen birgt nicht nur einen zusätzlichen Rückzugsort, sondern auch Wissensschatz.

Deshalb gilt das Appelle: Frauen seid mehr wie Altherrenrunden. Haltet zusammen, tut euch Gefallen und unterstützt euch.


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