Automatisierung: einige Jobs gehen, andere entstehen

8 Mai 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 5 Minuten

Digitalisierung

 Roboter, Computer und Mechanisierung lagen lange in der weit entfernten Zukunft. Zumindest wollten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer das gerne glauben. Der Großteil der Automatisierung hat die deutschen Büroräume erreicht, nur leider nicht in dem offensichtlichen Umfang, den sich Sci-Fi-Fans gewünscht hätten.

Bereits 2015 und 2017 fassten zwei Studien zum Thema Automatisierung durch Digitalisierung die wichtigsten Angaben, Begriffe und Werte zusammen. Im 2015 erschienen IAB Forschungsbericht zum Substituierbarkeitspotenzial von Berufen in Deutschland, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Kategorisierung der Berufsbilder die Wahrscheinlichkeit der anstehenden Automatisierung bestimmt. Am Stärksten, mit 70 Prozent, waren zum Zeitpunkt der Untersuchung die Fertigungsberufe betroffen, also zum Beispiel Berufe mit Produktionsprozessen in der Automobilindustrie. Als neuer, sicherer Traumjob sind die Berufe mit sehr viel sozialem Interaktionen, Kontakten und Beratung. In der Gesamtauswertung kam man zu dem Schluss das das durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial bei allen Berufen unter der 50 Prozentmarke lag.

Zwei Jahre später führte das Online-Magazin randstadkorrespondent, vom Personaldienstleister Randstad, eine ähnliche Studie zum Thema Automatisierung durch. Die Studie umfasste einen wesentlich kleineren Rahmen als der IAB Forschungsbericht zuvor, jedoch präsentierte man zwei Jahre später ähnliche Ergebnisse und erschloss sich bei dem Thema Maschinen und Automatisierung eine neue Wissensebene. Mit dem Fokus auf der Meinung der Beschäftigten und Automatisierungstechnik, gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sie sich nicht vor einer Automatisierung und den damit vielleicht einhergehenden Jobverlust fürchteten. Die Automation wurde von den Befragten nicht als Problem wahrgenommen, viel mehr sprachen viele von einer Umverteilung der Aufgabenstellungen im Beruf. 77 Prozent erhofften sich dadurch eine Entlastung bei Routine-Aufgaben. 66 Prozent empfanden ihre Tätigkeiten als effizienter, wenn eine Automatisierung durch eine Software oder Maschine stattfand. Weitere 63 Prozent konnten mehr Zeit für anspruchsvolle Aufgaben im Unternehmen oder Betrieb aufwenden.
Die gewonnen Erkenntnisse durch beide Studien zeichnen ein positives Bild der deutschen Angestellten auf bevorstehende, mögliche Veränderungen.

Zahlen der Gegenwart

Die aktuellsten Zahlen zum Thema erhalten wir von einer Studie der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der "Beschäftigungsausblick 2019" ist für die deutsche Wirtschaft eine wegweisende Zukunftsprognose. Berufe in der Fertigung werden in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren fast gänzlich von Industrierobotern übernommen und automatisiert werden. Viele Fachkräfte in der chemischen Industrie und industriellen Produktion fürchten eine Massenarbeitslosigkeit. Besonders hart für einen Industriestandort wie Deutschland. Eine Entwarnung aussprechen kann man für alle Berufe mit einem Substituierbarkeitspotenzial unter 70 Prozent. In diesen Berufen erwartet man ein Partner ähnliche Beziehung zwischen Menschen und Maschine, wie zwischen menschlichen Tätigkeiten und monotoner Arbeit. Auch der Mittelstand ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. 14 Prozent aller Jobs in Europa werden der Digitalisierung und der Automatisierungstechnik zum Opfer fallen. In Deutschland sind es laut Studie insgesamt 18 Prozent.

Grund zur Panik in der deutschen Industrie gibt es trotzdem nicht. Viele Aushilfs- und Nebenjobs könnten verschwinden, dennoch betrifft das nicht die gelernten Fachkräfte. Dort sind die Roboter auf das Know-Hows, Bedienung und das menschliche Management angewiesen. Die Digitalisierung und der Einsatz von neuer Technik werden mehr neue Jobs und Berufsbilder schaffen als sie vernichten, so die Studie Digitale Transformation 2018. Vor allem in der Verwaltung, dem Rechtsraum, Management und Gewerbe erwarte man einen Anstieg an Jobangeboten. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie positive Effekte auf die Weiterbildungsbereitschaft der Mitarbeiter und Arbeitsplätze erwarten. Davon zeigen sich ganze 26 Prozent der befragten Unternehmen als sehr positiv und erwartenden eine verstärkte Nachfrage an Stellenangeboten und eine einfachere Personalbeschaffung.

Zusammenfassend lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die deutsche Industrie nicht wieder so überraschen lassen wird wie damals von der Digitalisierung. Die Wirtschaft und die HR Manager freuen sich auf kommende Innovationen und Möglichkeiten effizienter und schneller arbeiten zu können. Die Kontrolle, Vermarktung und Pflege der neuen Technologien wird eine ganze neue Branche entstehen lassen, in einer Art und Weise wie wir sie bis heute noch nicht kannten.

Quellen: IAB Forschungsbericht 2015, Studie des Online-Magazins randstadkorrespondent, OECD

 

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