Frauen und Teilzeitarbeit – eine Betrachtung

9 September 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 6 Minuten

Studien
Die Studie stellt zunächst fest, dass Frauen und Männer hinsichtlich der Form der Erwerbstätigkeit sehr unterschiedlich präsent sind. So sind satte zwei Drittel der Selbständigen Männer und auch die voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist mehrheitlich männlich. Geringfügige Beschäftigungen werden hingegen meist von Frauen verrichtet. Weiterhin sind Frauen oft im Bereich Dienstleistungen beschäftigt, Männer dafür häufiger im verarbeitenden Gewerbe oder im Bereich Verkehr. Interessant sind auch zwei weitere Fakten: Frauen in den neuen Bundesländern weisen einen höheren Anteil an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen auf als die Frauen in den alten Bundesländern. Außerdem ist die Arbeitslosenquote der Frauen in Deutschland geringer als die Quote der Männer.

Teilzeit ist weiblich

Die Untersuchung offenbart auch, dass Frauen noch immer wesentlich öfter in Teilzeit beschäftigt sind als Männer – Teilzeitarbeit bleibt hierzulande also offenbar eine Angelegenheit der Frauen. In Zahlen ausgedrückt arbeiten inzwischen 7,2 Millionen Frauen in Teilzeit, das ist eine knappe Hälfte aller erwerbstätigen Frauen. Bei den Männern sieht das komplett anders aus, nur 1,9 Millionen sind in Teilzeit beschäftigt. Die Gründe für diese dramatischen Unterschiede hat das Delta-Institut in einer kürzlich veröffentlichten sozialwissenschaftlichen Repräsentativbefragung mit dem Titel „Frauen in Teilzeit – Lebensqualität oder Teilzeitfalle?“ im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beleuchtet.

Teilzeit in Deutschland – eine Falle?

Wenig überraschend ist die Tatsache, dass sich Frauen im Schwerpunkt während der Jahre der Familiengründung mit noch kleineren Kindern und später nochmals im Falle der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger für eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit entscheiden. Die Konsequenzen sind indes durchaus erheblich, denn Teilzeitbeschäftigte in Deutschland bezahlen auch geringere Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, die spätere Rente reduziert sich entsprechend. Das ist den Betroffenen auch bewusst, 68 Prozent der Befragten gaben an, später vermutlich von ihrer eigenen Rente kaum leben zu können. Zudem stellte die Delta-Studie auch niedrigere Stundenentgelte im Verhältnis zu qleichqualifiziert in Vollzeit Beschäftigten fest. Darüber hinaus sinkt im Laufe der „Teilzeitjahre“ statistisch die Chance, wieder eine Vollzeitstelle zu bekommen. Das neue Gesetz zur Brückenteilzeit könnte dazu beitragen, diesen Umstand zu ändern.

Die Vorzüge der Teilzeit

Fragt man die Frauen allerdings selbst, so ist trotz aller Nachteile eine überwältigende Mehrheit von 85 Prozent der Auffassung, die Teilzeitarbeit stünde für mehr Lebensqualität. Drei Viertel der Befragten erklärten außerdem, derzeit keinesfalls in Vollzeit arbeiten zu wollen und 60 Prozent planen Teilzeitarbeit sogar bis zum Renteneintritt – allerdings meist mit einer deutlich erhöhten Stundenzahl.

Fazit

Wunsch und Wirklichkeit - dieses ewige Spannungsfeld gilt auch im Bereich der Erwerbsarbeit. Viele Frauen arbeiten freiwillig in Teilzeit und können die Vorteile dieses Modells durchaus schätzen. Sie sind sich allerdings auch der langfristigen Folgen bewusst, etwa hinsichtlich eines reduzierten Rentenanspruchs. Und letztlich haben viele Frauen auch keine andere Wahl, denn die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen bleibt hierzulande zu großen Teilen Frauensache.

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