Mobile Recruiting und Video-Bewerbung: immer schön in die Kamera lächeln!

10 April 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 10 Minuten

Recruiting

Hoch angepriesen wird das digitale Recruiting bei der Jobsuche. Einfacher, übersichtlicher und schneller zu erreichen sind die neuen Jobbörsen von StepStone, Monster und Co. Mit einer besseren Auftritt in Jobportalen und der Option Online-Bewerbung versuchen Arbeitgeber vermehrt das klassische, zähe Bewerbungsverfahren zu entschärfen. Wäre da nicht das Hauptproblem: die lästige schriftliche Bewerbung schreiben. Ein unglaublicher Zeitfresser ist das Bewerbungsanschreiben für viele Kandidaten. Mit einem individuellen Anschreiben des Unternehmens, feinsäuberlichem Lebenslauf, unverwechselbaren Inhalt und verschiedenen Referenzen muss es bestückt sein. Nun stellt sich für viele Kandidaten die Frage, wieso predigen Unternehmen ihre digitale Überlegenheit und bestehen trotzdem auf ein schriftliches Bewerbungsschreiben?

Eine professionelle Bewerbung muss nicht zwangsläufig auf dem Papier dokumentiert werden. Video-Bewerbungen geben dem Bewerber im Zeitalter des Mobile Recruitings neue Alternativmöglichkeiten. Mit Talentcube und der verbesserten Monster Job Search App von der Jobbörse monster.de möchten den nächsten Schritt Richtung mobile Recruiting wagen und transformiert Anschreiben, Lebenslauf und Co. nachhaltig.

Die Bereitschaft sich dem mobile Recruiting anzunehmen, hielt sich bis vor ein paar Jahre noch stark in Grenzen. Doch seid der Fachkräftemangel und der demografische Wandel keine schnelle Entspannung des Arbeitsmarktes versprechen, sind Unternehmen offener alle Online-Portale, Möglichkeiten und Motivationschreiben zu durchleuchten, um vielleicht doch noch die passende Bewerbung auf die Stellenanzeige zu finden. Ganze 75 Prozent der befragten Unternehmen sind elektronischen Bewerbung aufgeschlossen. Immerhin, bei den Kandidaten sind 50 Prozent der befragten Teilnehmer an digitalen Online-Optionen interessiert.

Vorteile

Für den Bewerber ergibt sich durch die Einführung und Nutzung von mobile Recruiting und der Video-Bewerbung nicht nur ein großes Zeitersparnis, sondern auch die Möglichkeit sich authentischer, mit passender Chemie und Soft Skills dem richtigen Ansprechpartner zu präsentieren. Klassische Bewerbungen punkten zwar mit ihren gepflegten, professionellen Auftreten, jedoch lassen sie in den wenigsten Fällen einen persönlichen oder kreativen Auftritt zu. Einen sympathischen aber professionellen Auftritt möchte man vor allem dann erreichen, wenn es sich bei dem neuen Job um den Traumjob handelt. Um sich mit den Unternehmensinformationen, dem Tätigkeitsfeld und den Anforderungen zu beschäftigen bedarf es nicht unbedingt eines Anschreibens, sondern viel mehr ein generelles Interesse am Thema und der bestimmten Stelle.

Von einem digitalen Bewerbungsverfahren profitieren nicht nur die berufliche Zukunft der Bewerber, sondern auch der verzweifelte Recruiter. Video-Bewerbung kann in sozialen Netzwerken eine wesentlich größere Reichweite erreichen als die klassische Stellenausschreibung. Das in Social Media mit mobile Recruiting und Video-Auftritten die nächste Mitarbeiter-Generation angelockt werden kann, haben auch die größeren Konzerne verstanden. 59,8 Prozent der Unternehmen messen dem mobile Recruiting einen höheren Stellenwert als noch vor vier Jahren zu. Bei den Kandidaten liegt der Prozentsatz bei 43,8 Prozent, mit einer steigernder Tendenz. Bei der folgenden These der Umfrage sind sich jedoch beide Parteien einig. 84,6 Prozent auf Unternehmensseite und 60,9 Prozent der Bewerber glauben, dass Mobile Recruiting, und damit auch die Video-Bewerbung, nur noch wichtiger wird. Aufgrund dessen sollte sich das mobile Recruiting nicht nur positiv auf die Vorstellungsgespräche auswirken, sondern auch auf das eigene Image.

Nachteile

Ein Allheilmittel ist die Online-Bewerbung trotzdem nicht. Sie kann zwar die alten Leiden der klassischen Bewerbung mit dem tabellarischen Lebenslauf eindämmen, aber nicht ganz beseitigen. Benachteiligungen und Diskriminierung auf Grund von Geschlecht, Alter oder Herkunft wird es auch bei der Video-Bewerbung weiterhin geben. Dort ist sogar davon auszugehen, dass durch die persönliche Präsenz die Soft Skills, Qualität des Videos und das Auftreten im Vordergrund stehen werden und nicht die zu vermittelten Informationen des Bewerbers. Bei einem klassischen Anschreiben begrenzt sich die äußerliche Wahrnehmung auf das Bewerbungsfoto. Digitale Bewerbungen neigen ebenso wie die klassischen Bewerbungsschreiben im digitalen Chaos zu versinken. Noch schlimmer wird es für Bewerber wenn die perfekte Bewerbung mit Hilfe eines Algorithmus herausgefiltert wird, da könnte selbst ein aktuelles Video nicht weiterhelfen.

Noch mehr Probleme bereit das mobile Recruiting den Unternehmen, welche die Ansprechpartner und Plattformen für den digitalen Bewerbungsprozess größtenteils selbst stellen müssen. Zwar wirken die eigenen Homepages und Content-Seiten meisten sehr gepflegt und hochwertig. Leider beschränken sich diese Bemühungen immer noch zu sehr auf den Desktop-Bildschirm. All zu oft ist es von Unternehmen ein typischer Fehler den eigenen Content nicht für mobile Endgeräte aufzubereiten. Nur 10 Prozent der Unternehmen haben das Ziel mobile Recruiting zu implementieren aus technologischer Sicht erreicht. Weitere 5,1 Prozent geben an, dass sie ein positives Aufwand-/Ertragsverhältnis erreicht haben. Datensicherheit, langfristiger Datenschutz, Aufbau und Kontrolle in der IT-Abteilung sind weiterhin mangelhaft und oftmals mit einem großen professionellen Aufwand verbunden. Ein weiteres Problem der Video-Bewerbung entsteht durch die Frage: Was passiert mit meinem Bild, meinen Aussagen, bereitgestellten Informationen und insgesamt mit meinen Anschreiben? Verbraucher führten seit jeher die Zweckentfremdung ihrer Person durch die Verfügung gestellten Bewerbungsunterlagen als eine der größten Ängste im Bewerbungsprozess an.

Fazit

Seit der letzten Studie im Kalenderjahr 2014 hat sich im Bereich mobile Recruiting und der Video-Bewerbung einiges getan. 2014 benutzten 16,4 Prozent der Arbeitnehmer das Handy von unterwegs um Stellenanzeigen zu sichten. 2018 waren es schon 53,0 Prozent. Ein massiver Anstieg in nur vier Jahren um 36,6 Prozent und die Tendenz zu digitalen Alternativen ist steigend. Ein Grund für diesen starken Anstieg ist das Zeit- und Aufwandsersparnis beider Seiten, so verkürzte sich das Schreiben einer durchschnittlichen Online-Bewerbung um insgesamt 18,6 Minuten, was zur Verminderung der Hemmschwelle bei Bewerben führte.

Quelle: Universität Bamberg, Studienreihe Recruiting Trends

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