Produktivität beginnt in den eigenen vier Wänden

24 April 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

Arbeitsmarkt

Ein altes Sprichwort besagt: Zuhause ist da, wo das Herz schlägt. Und dennoch verbringen wir den größten Teil unser zur Verfügung stehenden Stunden bei der Arbeit oder im Stau. Der letzte nationale Arbeitstag zeigt jedoch deutlich das der Appetit der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu können noch lange nicht gestillt ist. Der Mensch und das Unternehmen verpflichten sich gleichermaßen die Arbeitskraft, Motivation und das Engagement im Beruf zu erhalten. Ebendarum sind nun die Unternehmen am Zug, um mit ihren Einsatz und Angeboten auf dem Arbeitsmarkt einen entscheidenden Unterschied zu leisten.

Die Kontrolle des Work-Life-Balance zurückgeben und Produktivität steigern

Die Option flexibel zu arbeiten steht den meisten deutschen Angestellten zur Verfügung. Das britische Parlament ging dieses Jahr noch einen Schritt weiter. All jene, welche das Berufsbild mit dem Home Office Konzept vereinbaren können, haben nun in Großbritannien einen gesetzlichen Anspruch auf einen "privaten" Arbeitsplatz. Die Gründe für einen Homeoffice-Anspruch sind vielfältig. Eine bessere Work-Life-Balance, Kinderbetreuung oder die Reduzierung langer Arbeitswege gehören zu den häufigsten Beispielen, wieso Mitarbeiter sich Home Office wünschen. Jede Begründung zum Thema ist individuelle, weswegen Unternehmen so flexible wie möglich handeln sollten. Das Ergebnis abgestimmt auf jeden Ihrer Mitarbeiter.

Führungskräfte und Personal sind es gewöhnt sich gegenseitig zu kontrollieren. Die Arbeitszeit, die Leistung, der Input und Output. Aus Unternehmenssicht ist ein solches Verhalten eigentlich berechtig, schließlich geht es um einen Austausch von Kapital und Leistungen. Nun führte diese Jahrzehnte lange Kontrolle der Mitarbeiter eben dazu, dass auch das Privatleben kontrolliert werden sollte. In Kombination mit anderen belastenden Faktoren führt dieses kontrollierte Verhältnis schnell zu einem gestressten Berufsalltag und Leben. Die To-Do-Liste morgens von zu Hause aus abarbeiten zu können bedeutet für Mitarbeiter einen Szenewechsel, ein stärkeres Gefühl der Selbstständigkeit und sozialer Alltag, welcher hoffentlich in einer Produktivitätssteigerung mündet. Der größte Vorteil des Home Office ist die physische Abwesenheit. Last-Minute-Meetings, soziale Kontakte mit Kollegen und der Chef sind zwar grundsätzlich keine negativen Aspekte des Büroalltags, jedoch sind sie unglaubliche Zeitfresser.

Einige Mitarbeiter sind auf diese tägliche soziale Interaktion angewiesen. So mancher Kollege ist eben auch ein Freund. Das perfekte Verhältnis zwischen sozialer Interaktion, Zeitmanagement und einem Mindestmaß an Produktivität schaffen nur die wenigsten Führungskräfte. Täglich in begrenzten Büroräumlichkeiten ist dies auch schwer zu erreichen. Unmöglich ist es für besonders soziale Angestellte Ihres Unternehmens allerdings nicht. Eben alles eine Frage der persönlichen Präferenzen. Um die richtigen Menschen für Home Office im Büro herauszufiltern bedarf es einer Führungskraft mit Erfahrung und guten Menschenkenntnissen. Im Home Office Entscheidungsprozess sollte das allgemeine Wohl des Unternehmens im Vordergrund stehen, aber Führungskräfte dürfen nicht aus Gewohnheit oder anderen emotionalen Beweggründen an alten Arbeitszeitmodellen festhalten. Mit der Einführung neuer Arbeitszeitmodelle beweisen Führungskräfte und Unternehmen ihre Wandlungsfähigkeit und ihren Zukunftsgeist. Richtig ausgeführt können solche Wandlungsprozesse auf alle erfrischend, motivierend und dazu anspornen wirken ihre bestmögliche Arbeit in der Umgebung zu leisten, die zu ihnen passt.

Nachhaltiges Arbeiten ist In, Ressourcenverschendung ist out

Flexible Arbeitszeitmodelle fördern nicht nur das Privatleben. Mit dem Berufsalltag wird nicht nur die Arbeitszeit verbunden, sondern jeglicher Aufwand, welcher betrieben werden muss um zur Arbeitsstelle zu gelangen. Liegen zwischen Unternehmensstandort mehr als durchschnittlich 40 Minuten, wirkt sich das negativ auf die Moral und somit auch auf die Produktivität der Arbeitnehmer aus. Arbeitszeit, Mittagspause, Überstunden und lange Fahrtwege summieren sich schnell in einem zehn-Stunden-Tag. So freut sich nicht nur Mutternatur über das Wegfallen langer Anfahrtswege, sondern auch der Job und der Mitarbeiter.

Engagiert bleiben

Vielen ist im Gedächtnis geblieben, dass nur der Mitarbeiter, welcher den 9-5 Rhythmus verinnerlicht hat, zum Umsatz des Unternehmens beiträgt. In Deutschland gilt leider noch immer: wer anwesend ist arbeitet und wer abwesend ist arbeitet eben nicht. Für Mitarbeiter im Home Office ist diese Einstellung bei Arbeitgebern und Kollegen katastrophal. Vor allem die Generation Y und Z sind Work-Life-Balance-Maßnahmen seitens des Arbeitgebers sehr wichtig. Und bei diesen Generationen hat das Thema deutscher Präsentismus eben keinen Platz.

Doch hohe Produktivität oder Employer Branding ist beim flexiblen Arbeiten nicht das wichtigste. Denn im Kern geht es vor allem um die geistige und körperliche Gesundheit des Mitarbeiters. Alle genannten Faktoren stehen im Zusammenhang zu einander. Wodurch die interne Krankheitsquote bei Verbesserung der Produktivität und der richtigen Life-Work-Balance im Büro stark reduziert werden kann. Zuvor bedarf es nur dem richtigen Engagment auf Seiten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Produktivität durch flexible Arbeitszeitmodelle gesteigert werden kann. Eine gute Work-Life-Balance wirkt sich wie ein positiver "Snowball"-Effekt auch auf die Krankheitsquote im Unternehmen aus. Grundvoraussetzung ist der passende Input und Output der Mitarbeiter, nur wenn der deutsche Präsentismus überwunden werden kann und ein Grundverständnis für Kollegen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen herscht, ist es möglich Home Office und Co. zum Unternehmensvorteil auszubauen.

Verwandte Beiträge

refresh Weitere Beiträge