Remote Working: So nah und doch so fern

16 April 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 10 Minuten

Arbeitsmarkt

Zunächst war da der Wunsch nach weniger Pendelei und mehr Flexibilität. Seit einiger Zeit nun steigt der Wunsch der Teams nach einer neuen Definition des Berufsalltags. Mit Homeoffice und der New-Work-Bewegung sollte diese Neudefinition in Unternehmen unterstützt werden. Geklappt hat diese Neudefinition wahrlich nicht überall und Mensch, Land und Politik streiten sich weiter um die Sinnhaftigkeit des neuen Projektes. Von der deutschen Skepsis unberührt bleibt die Start-Up-Gründer-Szene und entwickelte das Homeoffice weiter zu Remote Working.

Beim Remote Working befinden sich alle Kollegen an den unterschiedlichsten Arbeitsplätzen und trotzdem findet eine enge Zusammenarbeit statt. Dabei muss es sich nicht unbedingt um ein richtiges Büro handeln, sondern kann das eigene Arbeitszimmer oder das Shared-Working-Space-Büro in Frankfurt, Dubai oder Los Angeles sein. Remote Working hat sehr viele Ähnlichkeiten zum bekannteren Homeoffice-Model und dennoch teilen sie sich nicht unbedingt die selben Problematiken und Vorteile.

Das altbekannte Problem mit der Heimarbeit und dem Teamwork

Der Mensch ist ein soziales Rudeltier, selbst der schüchterne Kollege. So gut wie allen deutschen Beschäftigten ist ein guter Zusammenhalt im Team und eine positive Beziehung zu ihrem beruflichen Umfeld wichtig, auch wenn soziale Ungleichheit am Arbeitsplatz immer noch ein häufiges Problem darstellt. Eben aus diesem Grund ist das Thema Einsamkeit besonders im Homeoffice sehr präsent. Der durchschnittliche Arbeitnehmer verbringt acht bis zehn Stunden am Tag mit arbeiten und pendeln, Überstunden sind bei diesen Angaben noch nicht mal mit einberechnet. Das tägliche Mittagessen oder der After-Work-Drink mit den Kollegen stärkt nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Unternehmen, sondern bietet eine wohlverdiente Pause von der eigenen Rolle.
So kann man auch beim Remote Working schlussfolgern, dass die getrennte Arbeit Einsamkeit hervorrufen kann. Unterschätzt werden darf diese Thematik auf keinen Fall, ist Einsamkeit doch eine Katastrophe für die Gesundheit und Psyche.

Globalisierung erfordert globale Maßnahmen

Um im internationalen Geschäft mitspielen zu können bedarf es ein gutes Konzept, Produkt, Dienstleistung und oder dem richtigen Team. Infolgedessen schenkt die Wirtschaft ihren Teams eine zahlreiche Fülle an globalen Kollaboration, Partnerschaften und Ressourcen, sowie Diversität. Auch Start-Ups wollen schnell in der globalen Wirtschaft mitmischen. Mit geringeren zur Verfügung stehenden Ressourcen sind es vor allem Start-Ups, welche von allen möglichen alternativen Modellen Gebrauch machen. So ähnlich verhält es sich auch mit den Remote Working in Start-Ups.

Die Kostenvorteile und Rahmenbedingungen für die Gemeinschaft

Zumal Büroflächen in Ballungsgebieten und Großstädten Mangelware geworden sind, trifft es sich gut, dass mit dem Remote Working das Arbeiten in einem Büro nur auf explizierten Wunsch des Mitarbeiters stattfinden muss und so ein nicht unerheblicher Betrag eingespart werden kann. Abgesehen davon, dass das Unternehmen Start-Ups massive Einsparungen bei der Büromiete und Ausstattung erzielen können, ist jedoch nicht zu vergessen, dass jeder einzelne Mitarbeiter für das getrennte Office ausgestattet sein muss. Ebenso wie es in einer normalen Büroumgebung der Fall sein würde.

Wurde man von der Idee des Remote Working überzeugt, müssen Rahmenbedingungen entworfen werden, welche eine gute Zusammenarbeit absichern. Ebenso wie im Homeoffice gibt es beim Remote Working Kernzeiten, damit die Teamarbeit unter den unterschiedlichen Arbeitszeiten nicht leidet. Dementsprechend sollten die Arbeitszeiten auch dem Rhythmus des Teams oder Kunden entsprechen, beziehungsweise widerspiegeln. Bestimmte Tagesabschnitte bekommen so eine bestimmte Bedeutung für das Team, welche es einzuhalten gilt.

Die Anwesenheit zu festgelegten Tagesabschnitten fördert nicht nur die Zusammengehörigkeit, sondern auch das Vertrauen und Hilfe bei der langfristigen Integration. Die Digitalisierung und Zeitwirtschaftssysteme sind auch beim Remote Working hilfreich, man sollte jedoch drauf achten das es nur eine Hilfe darstellt und für den Mitarbeiter keine umfassende Überwachung bedeutet.

Eine Kleinigkeit wird beim Homeoffice und dem Remote Working häufig vergessen: die Ergonomie des Arbeitsumfeldes. Ein Vorteil des klassischen Büros ist die zweckmäßige Ausstattung der Arbeitsräume. Grundsätzlich wirkt es verlockend auf dem eigenen Sofa arbeiten zu können, jedoch bereitet das dem Rücken und Nacken noch schmerzhaftere Probleme als das lange Sitzen auf dem Bürostuhl. Mitarbeiter müssen verstehen das Remote Working langfristig nur funktionieren kann, wenn sie gewillt sind sich einen passenden Arbeitsplatz einzurichten. Gute Lichtverhältnisse, Ruhe, das passende Möblier, Internet und Hardware können vom Arbeitgeber vorausgesetzt und kontrolliert werden.

Ganz ohne das Gemeinschaftsgefühl geht es dann doch auch nicht. Viele Unternehmen berichten bereits, dass ein bis zwei Treffen im Jahr das Team auch wirklich zusammenhalten kann. So sind solche Treffen nicht unbedingt reine Meetings, sondern verbinden die Stärkung des sozialen Zusammenhalts mit Gruppenaktivitäten und dem persönlichen Kennenlernen des Kollegen im Remote Working.

Der Kern, die Herausforderung und das Fazit

Im Kern ist Remote Working ein Lösungsansatz für vielerlei Themen. Büroknappheit, weite Pendelwege, hohe Transportkosten und generelle höhere Kosten können so vermieden werden. Dies kann nicht ohne die Bereitschaft geschehen in das Projekt zu investieren. Solidarität mit den Kollegen im Remote Working, die Pflege dieses sozialen Zusammenhalts und die Erarbeitung individueller Richtlinien für das Unternehmen sind die größten, auftretenden Herausforderungen. Und trotz alle dieser Richtlinien und Maßnahmen liegt der Erfolg beim Mitarbeiter. Wie beim Beispiel Homeoffice definiert der Charakter des Mitarbeiters den Erfolg. Remote Working sollte wie die Probezeit gehandhabt werden. Regelmäßige Check-Ins, eine längere Testphase und zur Not der Abbruch des Projektes sollten auch eine Option bleiben. Denn nicht jeder ist dazu in der Lage mental nachhause zu gehen, wenn man sich schon im eigenen Zuhause befindet.

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