Vor- und Nachteile: Home Office in deutschen Unternehmenskulturen

19 März 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 10 Minuten

Arbeitsmarkt

Die deutschen Unternehmenskulturen haben sich verändert. Fast mühelos eroberte der digitale Siegeszug die deutschen Unternehmen und forderte bestehende Unternehmenskulturen ebenso heraus, wie die hauseigene Management und die Mitarbeiterbelegschaft. Schon längst hinken deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung hinterher. Mobiles Arbeiten statt Großraumbüro wünschen sich die deutschen Arbeitnehmer. Flexible Arbeitszeiten überall dort, wo dies auch möglich ist, davon träumen der Familienvater und die Pendlerin.

Homeoffice ist und bleibt in Deutschland gefragt. Umso erfreulicher ist es für die Arbeitnehmer-Belegschaft, dass der aktuelle Vorstoß eines Gesetzesentwurf der SPD-Fraktion versucht Homeoffice verpflichtend einzuführen. So soll der Entwurf allen Arbeitnehmern ein Recht auf Home Office zu sprechen. Dies würde nicht nur eine positive Veränderung für Arbeitnehmer bedeuten, sondern auch die Unternehmen dazu zwingen mehr in ihre einzelnen Mitarbeiter und deren Wohlbefinden zu investieren, so lautet die Begründung der SPD. Vertrauen, Ressourcen und Zeit sollen in Motivation, digitale Weiterentwicklung und bessere Vereinbarkeit von Familie, Werten und Beruf transformiert werden. In der Theorie klingt es fast zu gut um in der Praxis wahr zu sein.
Das Homeoffice in der Theorie besser aussieht als es eigentlich ist, ist vor allem den Chefs und den Arbeitgebern bewusst. So ist es mit Heimarbeit zwar einfacher Arbeitnehmer mit privater Belastung zu halten, jedoch bedarf es nicht nur einer guten Infrastruktur um Homeoffice erfolgreich zu implementieren. Vertrauen, Kommunikation, verständnisvolle Kollegen und ein verpflichtender, ruhiger Büroraum sind für das Management oft die Mindestanforderungen an die Unternehmenskultur und Mitarbeiter. Sollten die Organisation, Unternehmenskultur, Job und Verhalten Homeoffice zu lassen, gibt es mehrere Vor- und Nachteile, welche für die Mitarbeiter und Führungskräfte zu beachten gilt.

Das Positive - Glückliche Mitarbeiter ist gleich erfolgreiches Unternehmen

Den meisten Arbeitnehmern gefällt der Gedanke von Zuhause aus arbeiten zu können deswegen so gut, weil es dort vermeidlich weniger unangenehme Ablenkung gibt. Auf der ganzen Bürofläche lauern allzu häufig Zeitfresser wie Last-Minute-Meetings, zu gesprächige Kollegen und laute summende Computer. Zwar lässt sich damit argumentieren, dass das soziale Miteinander auch viele positive Aspekte des Berufsalltags ausmacht und wesentlicher Bestandteil der büroeigenen Kultur ist. Jedoch kennt jeder dieses Phänomen, manchmal fehlt es im Büro an der benötigten Ruhe um sich auf große, wichtige Aufgaben und zeitintensive Projekte ohne Unterbrechung konzentrieren zu können. Das regelmäßige Homeoffice distanziert einem nicht nur von sozialer Interaktion, sondern auch von allen ungewollten Störfaktoren die diese mit sich bringen.
Durch autonome Arbeit können Mitarbeiter ihre Zeit effizienter gestalten. Lange Arbeitswege, die dazugehörigen Fahrtkosten, die vertraute Umgebung der eigenen Wohnung und eine bessere Zeiteinteilung, auch für private Angelegenheiten, steigert die Motivation der Mitarbeiter mit großer Auswirkung auf die eigene Arbeit. Das Vertrauen in das eigene Handeln erfährt beim Homeoffice ein weiteres Hoch und kann nachhaltig die Beziehung zur Firma und Unternehmenskultur verändern, Stichwort Employer-Branding. Dieses Bild eines engagierten und glücklichen Mitarbeiter bleibt hängen, auch bei den Kollegen. Gute Laune ist bekanntlich ansteckend und lösen in vielen Teams einen Domino-Effekt aus. Flexibles Arbeiten kann also nicht nur Entlastung für die Arbeitnehmer-Belegschaft sein, sondern auch das Kernelement einer guten Unternehmenskultur und eines starken Unternehmens.

„Die Digitalisierung verbindet uns, unabhängig von Aufenthaltsort oder Zeitzone. Für Unternehmen bedeutet das eine einfachere Zusammenarbeit und die Möglichkeit sich zu vergrößern. Die eigenen Mitarbeiter können wann Sie wollen und wo Sie wollen mitarbeiten, so eben auch von Zuhause." so Hilde Haems, HR-Manager bei SD Worx, im Interview.

Das Hauptargument: das Arbeitszimmer im eigenen Haus

Das Hauptargument für die Einführung von Homeoffice in Unternehmen ist Flexibilität. Ja, besonders Mitarbeiter mit verantwortungsvollen Aufgaben und unentbehrlichen Schlüsselkompetenzen müssen von neuen bis siebzehn Uhr, oder wenigstens den Kernzeiten, erreichbar sein und bleiben. Jedoch sollte es auch einem Vorgesetzten vergönnt sein, sich ihre Arbeitszeiten einteilen und anpassen zu können. Flexible Arbeit begünstigt nicht nur psychologische Faktoren, sondern auch biologische. Der unterschiedliche Schlaf- und Tagesrhytmus eines Menschen ist ein gutes Beispiel dafür. Er hat große Auswirkungen auf die Befindlichkeit der betroffenen Person. So sind die Büro-Öffnungszeiten nicht immer im Sinne des Angestellten und verhindern so, dass die Person zu ihren produktiven Zeiten am Arbeitsplatz aktiv ist. Ein Arbeitskraftverlust für Angestellten und Unternehmen. So sollte sich die Corporate Identity anpassen und nicht die persönliche Hingabe und der Schlafrhythmus der Mitarbeiter. Die Fürsorge und Pflege eines geliebten Verwandten oder Kindes zwingt viele Mitarbeiter dazu die Arbeitszeit zu reduzieren oder das Arbeiten gar ganz einzustellen. Für Unternehmen ist dies in Zeiten des Fachkräftemangels ein großer Verlust, besonders bei hochqualifizierten Personen. Homeoffice könnte diesen Verlust verhindern.

Das Negative - permanent unter Strom im eigenen Haus

Vereinzeltes Arbeiten in der Woche kann Wunder wirken, wenn es um die Moral der Mitarbeiter geht. Bei einer permanten Homeoffice-Tätigkeit scheinen diese Vorteile sich in Nachteile um zu formen. Das Abschalten nach der Arbeit wird durch verschwommene Grenzen der Lebensmittelpunkte zum Problem. Für viele Angestellte bedeutet dies, dass sie stets mindestens eine von zwei Gehirnhälften an die Arbeit denkt. Abfallende Arbeitskraft, konstante Anspannung und der Verlust der Work-Life-Balance sind die Folge.

Persönliche Preferencen

Das Arbeitszimmer im eigenen Haus ist nicht für jedermann. Die Definition von Homeoffice finden viele sehr ansprechend, doch nur wenige kommen charakterlich dafür in Frage. Zu mal diesen Personen autonomes Arbeiten sehr liegen muss und mit viel Selbstdiziplin bei der Sache sind. Teammitglieder. welche nur in einer sozialen Unternehmenskultur aufblühen, werden nur schwerlich mit Homeoffice glücklich.

Spannungen zwischen den Beschäftigten

Die Wege und Arten der Kommunikation sind vielfältig und komplex. Weswegen beim Home Office mit Adleraugen auf die Implementierung und die Pflege dieser Kontaktwege geachtet werden muss. Stellen sie sich beispielsweise ein Marketingteam von zwanzig Personen vor, drei davon arbeiten in unterschiedlichen Zeitzonen, sechs Mitarbeiter befinden sich in Teilzeit und vier weitere Beschäftigte befinden sich unregelmäßig im Home Office. Es wäre für das gesamte Team eine große Behinderung und eine unnötige, weitere Belastung. Unmöglich zu managen wäre es nicht, nur bedürfte es einer guten Prävensionstrategie um ein Kommunikationsloch und eine gegenseitige Arbeitsblockade im Team zu vermeiden.

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