Zwischen Kreativität und Maschinenlesbarkeit

1 April 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 10 Minuten

Digitalisierung

"Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt.", ist wohl das bekannteste Zitat des deutschen Philosophen Ernst R Hauschka. Der in Kriegszeiten aufgewachsene Hauschka beschrieb mit seinem Kommentar die politische Situation und Geschichte Deutschland und traf nicht nur politisch den Nagel auf den Kopf. Auch auf das aktuelle Leiden der Fachautoren und die Suchmaschinenoptimierung lässt sich dieses Zitat anwenden.

Technologien, Innovationen oder als "Tools" werden die neu entwickelten künstlichen Intelligenzen bezeichnet. So läuten die künstlichen Intelligenzen den nächsten Abschnitt der Digitalisierung ein. Smart-Robotic 4.0 soll nun auf das Intermediale Marketing, bzw. Arbeiten, 3.0 folgen, so Branchenexperten. Menschen haben gegenüber der Maschine schon immer einen entscheidenden Vorteil gehabt, nämlich das eigene Bewusstsein. Emotionen, Kreativität und die individuelle Wahrnehmung von Informationen, sei es bei einem Bild oder der Sprache, war jeher einer der Vorteile des Mensch-seins oder der menschlichen Intelligenz.

Mit der Implementierung neuer Tools wie z. B. dem Content-Manager, welcher durch Algorithmen bei der Optimierung von Texten hilft, scheint das originelle Texten in Marketing-, Sach- und Fachartikeln rückläufig zu sein. Kreative Wortschöpfung mit einem Hauch von Marketing-Mix gaben zähen Sachtexten einen besseren Lesefluss und eine individuelle Sprache. Mit der ansteigenden Bedeutung des E-Commerce und dessen Möglichkeiten, rückte auch die Maschinenlesbarkeit zwangsweise in den Fokus des Creative Writing-Prozesses.

Nach Keywords, der Wortanzahl und der Struktur wird gesucht und bewertet. Je höher der Content Score, umso mehr suchende Kunden finden die eigene Homepage über den eigens dafür produzierten Content. Gut für den Autor und das Unternehmen, denn niemand macht sich die Mühe einen aufwendigen Fachartikel zu schreiben, um ihn dann unter dem Sofa zu verstecken. Menschen möchten gefunden werden und Maschinen möchten guten Content finden. Fraglich ist ob diese Abhängigkeit von einander einen positiven Einfluss auf die Qualität der Texte hat. Ein gut lesbarer Text für die Maschine muss gleichzeitig nicht bedeuten, dass er auch für den Menschen gut lesbar ist.

Thema: Menschliche Kommunikation

Auf den ersten Blick tendiert der Großteil zu der impulsiven Aussage, dass die intelligente Textoptimierung nicht gut für das kreative Schreiben sei und betrauern zu gleich den Tod der Redewendungen und der Floskeln im kreativen Schreibprozess. Ganz so einfach ist es, wie so häufig, auch bei der künstlichen Intelligenze und der Maschinenlesbarkeit nicht. Wenn wir unsere aktuell zur Verfügung stehenden Softwares genauer betrachten, sind diese häufig von dem was die Wissenschaft als KI definitiert, weit entfernt. Es handelt sich eher um schwache KI. Wir lassen uns von Softwares, Big Data, Algorithmen und der Leistungsfähigkeit der Computer helfen, aber eine KI mit der Fähigkeit Deep Learning zu betreiben und eigenen neuronale Netzwerken zu bilden sind wir im Alltag weit entfernt.

Mit der Maschinenlesbarkeit verhält es sich wie mit der Einführung der Schreibmaschine, wir werden uns ihr anpassen und die Maschine wird sich unseren Bedürfnissen anpassen. Wir müssen uns beim Schreiben zweierlei Dinge bewusst machen, dem Unterschied von Lesbarkeit und Maschinenlesbarkeit. Beides schließt sich nicht gegenseitig aus. Kommunikation ist vielfältig, Sprache ist lebendig. Das Thema Text-Optimierung ist kein neues Phänomen. Auch in den Bereichen der Kommunikation wiederholen sich Vorgänge. So passte sich die Kommunikation nicht nur dem Internet an, sondern auch dem Fernseher, dem Radio oder der Zeitung. Übrig bleibt die Frage, wie es Autoren schaffen können kreatives Schreiben und Technologie zu vereinen.

Einen guten Überblick behalten - System und Struktur

Eine gute Methode um das kreative Schreiben in Fachbeiträgen zu erhalten ist eine gute Struktur. Dabei begrenzt sich die Struktur nicht mehr auf den Artikelaufbau. Eine Keyword-Struktur mit einer Auswahl an alternativen Synonymen kann dabei helfen den Beitrag abwechslungsreich, lesbar und gleichzeitig optimiert zu halten.

Den Mehrwert für sich sprechen lassen

Die Definition von den Begriff Kreatives Schreiben beinhaltet nicht nur das Verfassen von Hollywood-würdige Science Fiction Romanen. Kreatives schreiben beinhaltet Objektivität, Authentizität, Storytelling und auch Informationen bzw. Wissen. Nun sind Nummern wahrlich nicht das Erste, dass einem in den Kopf schießt, wenn man über das kreativen Schreiben nachdenkt. Jedoch erfreuen sich nicht nur wissensbegierige Menschen an präzisen Werten und Daten, sondern auch die Maschine.

Corpoarte Wording

Die Sprache lässt sich in verschiedene Farbsegmente unterteilen. Zum Beispiel werden Wörter als Blau kategorisiert wenn sie kühl und gefühlsfrei wirken. Besonders Unternehmen mit hohen Anforderungen an die eigene Glaubwürdigkeit bedienen sich beim dem Content- und Digital Marketing dieser Farbkategorie. So greift ein Finanzinstitut eher zu Wörtern mit blauer Färbung um ihre Seriosität zu wahren. Auch Fachbeiträge sollten ihre Professionalität bewahren, aber sich auch nicht im selben Zug davon aufhalten lassen. So können Farben auch gemischt werden, um ein wunderschönes Gesamtporträt zu erhalten.

Es geht nicht nur um Wörter

Aktuell liegt der Fokus der Maschinenlesbarkeit auf den Keywording. Die Satzstruktur, Wortanzahl und Wiederholungen werden im geringeren Maße gemessen als das Keywording. Grund dafür ist die Komplexität der Kommunikation. Schwachen Algorithmen, welche noch nicht dazu in der Lage sind Redewendungen, Floskeln und Satzstrukturen zielsicher zu erkennen, verhindern das Eingreifen in alle Aspekte des Gesamtkunstwerts. Zwar konnte die KI-Forschung leistungsstarke KI-Systeme wie Precire, welches sich auf Psycho- und Sprachanalysen spezialisiert hat, hervorbringen. Jedoch sind diese nicht der marktübergreifende Standard. Wodurch es einfacher ist sich durch einen ausgefallen Satzbau und mehrdeutiger Kommunikation von der Konkurrenz abzusetzen.

Fazit: mit einander leben lernen

Das kreative Schreiben bleibt fester Bestandteil der zukünftigen Fachbeiträge. Um diese Kreativität zu bewahren bedarf es einen größeren, jedoch lohnenswerten Aufwand, welcher sich positiv auf das Marketing, der Werbung, dem Vertrieb und dem Umsatz auswirken kann. Auch wenn das Keywording einen Einfluss auf unsere Wortwahl hat, kann das System nicht sämtliche Wörter vorschreiben oder ersetzen. Um heutzutage einen sichtbaren, gut optimierten Artikel zu schreiben bedarf es neben viel Kreativität auch den Willen sich mit neuen Softwares und KI-Anwendungen auseinander zusetzen und die Vorteile dieser anzunehmen. Eine gute Online-Präsenz ist für marktorientierte Unternehmen unverzichtbar. Denn ob wir wollen oder nicht, die Zukunft ist Digital.

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