Personalauswahl – Wer lügt, wer spricht die Wahrheit?

20 Februar 2018 - Geschrieben von Mirco Gröger - Das Lesen dieses Beitrages dauert 10 Minuten
Arbeitsmarkt

Vor einigen Monaten warb ich im HR Blog um Probanden für meine Studie  zur Eindrucksbildung bei der Personalauswahl. Das eigentliche Ziel der Studie war herauszufinden, wie gut es Personen mit Erfahrung in der Personalauswahl gelingt, Bewerber zu erkennen die Lügen.

Zu diesem Zweck beurteilen die Studienteilnehmer jeweils vier Bewerber hinsichtlich verschiedener Eigenschaften wie z.B. Karrierepotential, Kommunikationsfähigkeit und Eignung für eine ausgeschriebene Stelle. Zur Beurteilung sahen die Studienteilnehmer Videos in denen sich Bewerber vorstellten. Was die Teilnehmer nicht wussten, die Hälfte der videografierten Bewerber log hinsichtlich ihrer Berufserfahrung, während die andere Hälfte die Wahrheit sagte.

Dass die Studienteilnehmer über das eigentliche Ziel der Studie im Unklaren gelassen wurden, lag darin begründet, dass herausgefunden werden sollte, ob es Personen besser gelingt einen Lügner zu erkennen, wenn sie dies nicht direkt, sondern indirekt tun. Es konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass Personen, wenn sie versuchen einen Lügner zu identifizieren, vor allem auf nonverbale Verhaltensweisen achten. Insbesondere auf Verhaltensweisen die mit Nervosität in Verbindung gebracht werden. Jedoch haben sich solche nonverbale Verhaltensweisen als mehrheitlich ungeeignet erwiesen, eine Person beim Lügen zu ertappen. Stattdessen konnte gezeigt werden, dass Personen, die auf den Inhalt einer Aussage achten, statt auf nonverbales Verhalten, bessere Ergebnisse erzielen. Vor allem Widersprüchlichkeiten und mangelnde Sinnhaftigkeit zeigen an, ob eine Person lügt oder nicht.

Wäre das Vorgehen der Studie so gewesen, dass die Teilnehmer gebeten worden wären, direkt zu beurteilen, welcher der Kandidaten lügt oder nicht, hätten sich die meisten Personen daher auf solche nicht zutreffenden Überzeugungen verlassen, die auf einem weitverbreiteten, aber nicht zutreffenden Lügnerstereotyp beruht.

Das Ergebnis der Studie war, dass bis zu 66% der Teilnehmer korrekt als Lügner bzw. Nicht-Lügner beurteilt werden. Die in früheren Studien durchschnittlich erzielte Rate korrekter Beurteilungen beträgt hingegen nur 54% und liegt somit nur knapp über der Ratewahrscheinlichkeit. Der indirekte Lügenerkennung kann somit als erfolgreich gewertet werden.

Es lässt sich somit festhalten, dass ein Lügner vor allem anhand von Widersprüchlichkeiten und mangelnder Sinnhaftigkeit in seinen Aussagen erkannt werden kann. Nonverbale Hinweisreize eignen sich hingegen nicht, um einen Lügner zu identifizieren. Hat man das Gefühl eine Person könnte lügen, sollte man bewusst versuchen, sich nicht verleiten zu lassen auf Anzeichen von Nervosität zu achten. Dies gilt insbesondere im Kontext von Vorstellungsgesprächen, wo mit einer anderweitig begründeten Nervosität der Bewerber gerechnet werden muss.


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