Wie sich Talentmanagement langfristig auszahlt

8 Juli 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 8 Minuten

Talententwicklung

In Signalfarben eingefärbt ist die Deutschlandkarte. In der neusten, visuell aufbereiteten, Statistik der Bundesagentur für Arbeit findet der Fachkräftemangel eine neue Ausdrucksform. Rot kennzeichnet der akuten Mangel. Die Farbe Grau kündigt einen bevorstehenden Mangel an. Während die Farbe Grün eine ausreichende Anzahl an Fachkräften im entsprechenden Sektor signalisiert. Wäre die Bedeutung der Farbe Grün in dieser Statistik nicht aufgeführt, wüsste der Leser nicht mal das sie in diesem Kontext existiert. Die Markierungen in Grün sind kaum zu finden. Vor allem in Sektoren wie der Energietechnik, Pflege und Soziales nicht. Es bleiben nicht nur Positionen mit großer gesellschaftlicher Relevanz unbesetzt, sondern auch die Stellenausschreibungen für Werkstudentenplätze. Die private Wirtschaft leidet in Zeiten des Fachkräftemangels und der Überalterung des Personals ebenso, wie Medizin- und soziale Sektor. Wichtige Schlüsselqualifikationen bleiben zu lange oder durchgängig unbesetzt.

Den Unternehmen droht der Stillstand. Entwicklung und Produktion lebt von Talent aus den MINT-Abzweigungen. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) könnte dieser drohenden Gefahr in ihren letzten Erhebungen neuen Aufmerksamkeit verleihen. Zwei von drei Arbeitsplätzen, für welche eine hochwertige Berufsausbildung oder Studium benötigt wird, bleibt voraussichtlich unbesetzt. Auch das Basler Forschungsinstitut Prognos kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Im Jahr 2030 werden mindestens 3 Millionen Fachkräfte fehlen.

Als ein Lösungsansatz und präventiv Maßnahme für kommende Jahrzehnte sieht die Wirtschaft, die Digitalisierung und Automatisierung vieler Prozessketten. Beide Errungenschaften helfen Unternehmen dabei, den Personalmangel zu dämpfen. Nur ganz verhindern, kann auch die Smart Robotic Industrie den Mangel an Experten nicht.
Deshalb wenden sich immer mehr Unternehmen einer intensiveren Personalentwicklung zu.

Mitarbeiter sind wertvolles Kapital – Investieren lohnt sich langfristig

Ihre Mitarbeiter sind eine Kapitalanlage. Investiert man Zeit, Geld und weitere Ressourcen in sie, steigert sich ihr Wert auf dem Arbeitsmarkt kontinuierlich. Investiert man nicht in diese Anlage, steigert sich der Wert trotzdem, alleine durch die tägliche Berufserfahrung. Im Großen und Ganzen klingt das nach einer sicheren Investition, oder? Ab diesen Punkt unterschieden sich die Ansichten eine geraume Zeit lang enorm. 44 Prozent der insgesamt 801 Berufsgruppen sind stark betroffen. Seit der Fachkräftemangel und demografische Wandel nicht mehr bestreitet werden kann, ändert sich der Blick auf die eigenen Mitarbeiter. 61 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel einen sehr großen Risikofaktor. Zum jetzigen Zeitpunkt geht es der deutschen Wirtschaft gut. Die Auftragsbücher sind voll und das Bruttoinlandsprodukt muss sich nicht verstecken. Und dennoch könnte es der deutschen Wirtschaft besser gehen, wenn alle Möglichkeiten im Personalmanagement ausgeschöpft werden würden.

Mitarbeiter bringen dem Unternehmen Wohlstand und mögliche Wettbewerbsvorteile. Das Talentmanagements ist also nicht nur als Tool für die Mitarbeiterbeschaffung zu verstehen. Das Talentmanagement kann mehr. Personalentwicklung, Weiterbildung, Schaffung einer Unternehmenskultur und Employer Branding sind nur ein paar Beispiel für die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Talentmanagements.

Das Personalmanagement entdeckt die eigenen Mitarbeiter wieder

Der „War of Talents“ in der Personalwirtschaft sorgt für ein ordentliches Chaos und hohe Preise bei der Personalbeschaffung. Nachdem Recruiting zählt nun auch das Talentmanagement zu einem wichtigen Bestandteil des Personalwesens. Die Implementierung eines Talent-Pools und Sorting Grounds sorgte nicht nur dafür, dass Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt Talente finden, sondern auch intern Talente wiederentdecken.

Jeder Mitarbeiter besitzt mehrere Talente. Diese These kann nicht wiederlegt werden. Jeder Mensch verfügt über ein einzigartiges Skill Set, welche es der Organisation Wettbewerbsvorteile bringen kann. Mit der Herausarbeitung dieser Talente kann das Personalmanagement die Einsatz- und Zukunftsplanung der Mitarbeiter noch präzisier gestalten.
Ein weiterer Vorteil, die interne Personalentwicklung ist billiger als die auf dem externen Markt. Bereits in die Unternehmenskultur und Branche integriert benötigen interne Mitarbeiter kein Onboarding oder Einarbeitungszeit. Vernachlässigt das Personalwesen die eigenen Mitarbeiter führt das nicht nur zu einer schlechteren Unternehmenskultur, sondern auch zu einem Ressourcen- und Geldverlust.

Kompetenzen einplanen, Talente (neu)entdecken und fördern ist bedarfs- und mitarbeiterorientiertes Denken. In Zeiten, in den jede Führungskraft von agilen Maßnahmen spricht, stiftet das Talentmanagement Glaubwürdigkeit, indem es mitarbeiterorientiert und agil handelt.
Im Sinne der Mitarbeiter ist nicht gleich im Sinne des Unternehmens. Viele Unternehmen fürchten sich davor, langfristig in viele Mitarbeiter zu investieren. Viel zu groß ist die Angst, dass der Mitarbeiter seinen Marktwert steigert und dann von Konkurrenten abgeworben wird. Diese Art und Weise die Entwicklung von Mitarbeitern, Talenten und High Potentials anzugehen ist fatal.

Eine Weiterbildung der Unternehmenskultur

Spezielle Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit haben ergeben, dass der Fachkräftemangel der deutschen Wirtschaft mindestens 1 Prozent der Wirtschaftsleistung nimmt. In anderen Zahlen bedeutet das: die Wirtschaft verliert 30 Milliarden Euro.

Die Fort- und Weiterbildung des eigenen Personals birgt immer Risiken. Jedoch hat das Thema Weiterbildung für den Mitarbeiter einen höheren Stellenwert als noch vor 10 Jahren. Mitarbeiter möchten nicht arbeiten, sie möchten einen Mehrwert in ihrer Arbeit sehen. Dieser Mehrwert kann aus unterschiedlichsten Quellen generiert werden. Einer guten Unternehmenskultur, flexiblen Arbeitszeiten oder einer individuellen Personalentwicklung. Ein Angebot an Seminaren oder eLeanring-Plattformen signalisiert dem Arbeitnehmer Wertschätzung und Interesse seitens des Arbeitgebers. Wodurch sich gleichzeitig die Zufriedenheit und persönliche Leistung des Mitarbeiters steigen lässt. Fachkräftemangel, Personalentwicklung, Unternehmenskultur und Weiterbildungen sind alles Bestandteile eines größeren Lösungsansatzes. Sie besitzen eine Wechselwirkung aufeinander.

Infolgedessen sorgt das Talentmanagement nicht nur für neue Talente, sondern hilft auch dabei alte Probleme mit neuem Ansatz positiv zu verändern während gleichzeitig Ressourcen eingespart werden können.

 

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