Berufliche Bildung soll attraktiver werden

9. Juni 2017

Aus Anlass des Berufsbildungsberichts 2017 der Bundesregierung hat der Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung zur Situation der beruflichen Bildung debattiert und im Kern festgestellt, dass die berufliche Bildung attraktiver werden soll.

Einerseits streben junge Menschen in Deutschland wachsend nach einem möglichst hohen Bildungsabschluss, andererseits gibt es hierzulande rund 1,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss – und in jedem Jahrgang schaffen rund 120.000 Schulabgänger den Übergang von Schule zur Ausbildung nicht. Eine Stärkung der beruflichen Bildung durch höhere Investitionen mit einem besonderen Schwerpunkt in puncto Digitalisierung ist dem Ausschuss zufolge dringend notwendig.

Berufsvorbereitende Maßnahmen sollen bereits in die Schulkarriere integriert werden, beispielsweise durch einen temporären Wechsel von Gymnasiasten an berufliche Schulen oder andere praxisnahe Maßnahmen, welche der frühzeitigen beruflichen Orientierung dienen – und auch dem Zweck, mehr junge Menschen für betriebliche Ausbildungen zu begeistern. Experten zufolge gibt es inzwischen in mehreren Branchen wachsende Probleme bei der Besetzung der Ausbildungsplätze, während der Anteil an Abiturienten und Studenten zunimmt. Die Schulpolitik orientiere sich mehr an akademischen Karrieren als Ziel, die Betriebe benötigten daher Hilfe bei der Besetzung von Lehrstellen.

Manuela Conte, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks brachte es auf den Punkt: Für sie ist die Stärkung der Attraktivität der beruflichen Ausbildung bedeutsam, Chancengleichheit und ein Zugang für alle unabhängig von den finanziellen Verhältnissen elementar. Conte fordert die Festschreibung von Qualitätsstandards für die Ausbildung und Rechtssicherheit für das diesbezüglich aktuell „extrem intransparente“ duale Studium.

Für die Unionsfraktion war nach Anhörung der Sachverständigen klar, dass in Sachen Berufsbildung trotz vieler richtiger Schritte noch einiges zu tun bleibt. Problematisch sei das mittelfristige Wegfallen von Ausbildung, wenn kleine Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen könnten. Hier müsse man alle Verbündeten zusammenbringen.
Abgeordnete der SPD fragen vor dem Hintergrund steigender akademischer Karrieren bei jungen Menschen, ob die großen Unternehmen tatsächlich ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Gleichzeitig stellen SPD-Parlamentarier die Qualität von Methodik und Didaktik bei der Ausbildung der Berufsschullehrer infrage.

Fazit: Es bleibt viel zu tun, die kommende Bundesregierung wird dieses Zuspiel des Bildungsausschusses aufnehmen müssen.

Quelle: Eigener Bericht mit Material des Deutschen Bundestages