Mitarbeitende vermissen eine ausreichende und individuelle Talentförderung im eigenen Unternehmen

Viele Angestellte sehen zu wenig Möglichkeiten, sich bei ihren Arbeitgebern weiterentwickeln zu können. Talent-Management-Systeme können dabei helfen.

17 März 2021

Motivierte Arbeitnehmende binden sich gerne langfristig an ihren Arbeitgeber. Dafür braucht es neben einem attraktiven Vergütungspaket aber auch interessante und relevante Fortbildungsmöglichkeiten. 30 Prozent der europäischen Mitarbeitenden sind jedoch der Meinung, dass ihr Arbeitgeber ihnen keine ausreichenden Möglichkeiten bietet, um sich weiterzuentwickeln. Zudem gibt nur etwas mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) aller Befragten an, selbst entscheiden zu können, welche Aus- oder Weiterbildungen sie absolvieren möchten. Dies geht aus einer Umfrage des Payroll- und HR-Dienstleisters SD Worx hervor. Befragt wurden insgesamt 3.193 Angestellte in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Allein in Deutschland nahmen 639 Personen teil.

Die Möglichkeit, sich innerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln, gehört zu den drei wichtigsten Faktoren für ein hohes Mitarbeitenden-Engagement. Dennoch fehlt es an ausreichender Talentförderung. In Deutschland sind 37,9 Prozent der Angestellten davon überzeugt, dass sie sich in ihrem derzeitigen Arbeitsumfeld nicht ausreichend entwickeln können. Auch im Vereinigten Königreich (34,6 Prozent) und in Frankreich (31,1 Prozent) liegt die Zahl über dem Durchschnitt. „Arbeitgeber unterschätzen häufig, wie wichtig es ist, ihren Mitarbeitenden Perspektiven für Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens zu bieten“, erläutert Tanja Büchsenschütz, HR Direktorin für SD Worx Deutschland. „Niemand möchte das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten. Um mehr Employee Engagement zu erreichen, ist es entscheidend, den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und sich weiterzubilden.”

Die Angestellten möchten selbstständig entscheiden 

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass ein Großteil der Arbeitgeber nicht auf die Weiterbildungswünsche ihrer Mitarbeitenden eingeht. In Deutschland geben 45,9 Prozent der Befragten an, keinen Einfluss darauf zu haben, welche Fortbildungen angeboten werden. Als Folge informieren sich 45,6 Prozent der deutschen Arbeitnehmer so gut wie nie über vorhandene Weiterbildungsangebote ihres Arbeitgebers.
  
Diese Zahlen stehen in erheblichem Widerspruch zu den Anstrengungen, die deutsche Arbeitnehmer freiwillig für ihr berufliches Fortkommen unternehmen. 66,4 Prozent der Deutschen versuchen sich kontinuierlich und auf unterschiedlichsten Wegen weiterzubilden und zu spezialisieren – auch abseits der Angebote des eigenen Arbeitgebers. Europaweit sind 71,6 Prozent der Befragten bereit, regelmäßig an Schulungen teilzunehmen. Arbeitgeber sollten dieses Bestreben unterstützen, denn auch sie können davon profitieren: Gut ausgebildete Mitarbeitende steigern schließlich die Effizienz und den Erfolg des Unternehmens. Das ist auch das Ziel der Befragten. In allen Ländern möchten mindestens zwei Drittel der Mitarbeitenden ihre Arbeit noch besser und effizienter erledigen.
„Dies zeigt, dass das Gros der Mitarbeitenden nach Gelegenheiten sucht, ihre Arbeit noch besser zu machen. Arbeitgeber sollten dies berücksichtigen und ihren Mitarbeitenden entsprechende Optionen bieten, sich weiterzuentwickeln“, bestätigt Tanja Büchsenschütz.  

Die meisten Unternehmen springen auf den Zug auf 
Zum Glück setzen viele Unternehmen dies bereits um. 75 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden bereits Aus- und Weiterbildungsprojekte an oder planen dies. Unter den mittelgroßen und großen Unternehmen mit mehr als 250 Angestellten haben sich schon fast 90 Prozent mit diesem Thema beschäftigt. Warum empfinden also trotzdem viele Mitarbeitende das Angebot an Weiterbildungen häufig als unzureichend oder sind der Meinung, dass sie zu wenig Mitspracherecht haben? Um das herauszufinden, sollten Unternehmen den Austausch mit ihren Angestellten suchen. 

Tanja Büchsenschütz erklärt: „Es ist wichtig, eine Lernkultur am Arbeitsplatz zu etablieren. Dafür braucht es nicht viel. Zum Beispiel können Mitarbeitende auf einer Plattform, Skills, die sie im oder außerhalb des Unternehmens erworben haben, hinterlegen und teilen. Hier gilt es für die Vorgesetzten mit gutem Beispiel voranzugehen und eine Infrastruktur für den Austausch sowie die Wissensvermittlung zu schaffen.“

84 Prozent der deutschen Arbeitnehmer halten es für wichtig, dass ihre Vorgesetzten eine MentorInnen-Rolle einnehmen und sie bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. „Sie wünschen und benötigen Feedback und müssen lernen, selbst Feedback zu geben. Das steigert ihre Motivation“, führt Tanja Büchsenschütz weiter aus.

Ein gutes Talent-Management-System kann hierbei unterstützen. Es gibt nicht nur einen Überblick über die diversen Fähigkeiten eines Teams, sondern auch darüber, in welchen Bereichen und mit welchen Aus- oder Weiterbildungen die Mitarbeitenden sich weiterentwickeln können. Die Mehrheit der europaweit befragten Unternehmen nutzt zurzeit noch kein Talent-Management-System zur digitalen Verwaltung und Förderung von Aus- oder Weiterbildungsprojekten. Nur 14,5 Prozent der europäischen KMUs verfügen aktuell über ein solches System. Allerdings haben bereits 28,4 Prozent der mittleren bis großen Unternehmen ein Talent-Management-System implementiert.