Etwa 20 Prozent der deutschen Arbeitnehmer empfinden ihre Kompetenzen als überflüssig

Noch höher ist die Zahl derer, die im Falle einer Umstrukturierung um ihren Arbeitsplatz bangen

10 Juni 2020

Frankfurt 10. Juni 2020 - Genau 19,2 Prozent der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich am Arbeitsplatz überflüssig, weil ihre Fähigkeiten nicht mehr dem aktuellen Stand der Dinge im Unternehmen entsprechen. Vor allem Mitarbeiter mit einer langen Unternehmenszugehörigkeit und alltäglichen Routineaufgaben haben mit diesem Gefühl zu kämpfen. Dies geht aus einer Untersuchung der Antwerp Management School in Zusammenarbeit mit dem belgischen Finanzblatt De Tijd und dem Personaldienstleister SD Worx hervor.

Genau 19,2 Prozent der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich am Arbeitsplatz überflüssig, weil ihre Fähigkeiten nicht mehr dem aktuellen Stand der Dinge im Unternehmen entsprechen. Vor allem Mitarbeiter mit einer langen Unternehmenszugehörigkeit und alltäglichen Routineaufgaben haben mit diesem Gefühl zu kämpfen. Dies geht aus einer Untersuchung der Antwerp Management School in Zusammenarbeit mit dem belgischen Finanzblatt De Tijd und dem Personaldienstleister SD Worx hervor.

Zurückzuführen ist dies auf viele manuelle Routineaufgaben, mit denen Beschäftigte aus Bereichen wie Handel, Logistik und Transport täglich beauftragt werden. Mitarbeiter, die derartige Tätigkeiten ausüben, haben am ehesten das Gefühl, dass ihre Fähigkeiten überflüssig sind. Verwaltungsangestellte, Paketzusteller oder Verkaufpersonal sind nur einige wenige Beispiele. Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Ein hohes Dienstalter in Verbindung mit einer Reihe von Aufgaben, die oft aus Belanglosigkeiten bestehen, erklärt, warum Arbeitnehmer das Gefühl haben, dass ihre Karriere stagniert und sie für den Arbeitsmarkt nicht mehr interessant sind. Mehr als ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer (25,2 Prozent) geben sogar an, dass sie über viele Fähigkeiten verfügen, die heute nicht mehr gefragt sind. Mehr als jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer (21,2 Prozent) befürchtet, dass sein Arbeitsplatz bei einer Umstrukturierung gefährdet ist.

Ein Drittel der Führungskräfte sieht keine Aufstiegsmöglichkeiten

Die Studie befragte auch deutsche Führungskräfte zu den Beschäftigungsmöglichkeiten ihrer Mitarbeiter. Mehr als jeder Dritte (34 Prozent) ist der Meinung, dass die Mehrheit der Mitarbeiter nicht in der Lage ist, eine andere Tätigkeit im Unternehmen auszuüben. Für den Großteil sehen sie also kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Etwa ein Viertel der Führungskräfte (22,3 Prozent) vertritt die Auffassung, dass sich bestimmte Tätigkeiten von Mitarbeitern künftig erübrigen aufgrund der Weiterentwicklung von technischen Ressourcen. Weitere 23,5 Prozent sind der Meinung, dass ein oder mehrere Mitarbeiter nicht in der Lage sind, dem Rhythmus und den jüngsten Entwicklungen zu folgen.

Dennoch Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber

„Arbeitnehmer, die um ihre Zukunftssicherheit fürchten und ihre Kompetenzen als veraltet ansehen, sind in der Regel Beschäftigte, für die berufsspezifisches Wissen besonders wichtig ist und die ihre allgemeinen Fähigkeiten als weniger qualifiziert einschätzen. Infolgedessen rechnen sie sich weniger Möglichkeiten bei einer Umstrukturierung oder einem Jobwechsel aus“, erklärt Professorin Ans De Vos von der Antwerp Management School. „Zudem erkennen wir immer noch eine deutliche Bindung der Arbeitnehmer an ihren Arbeitgeber. Obwohl beinah jeder dritte Deutsche angibt, gerne etwas an seiner Laufbahn ändern zu wollen, tun dies mit 39,4 Prozent annähernd vier von zehn bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber.“

Die Belegschaft auf die Zukunft vorzubereiten, bleibt eine gemeinsame Verantwortung. Mitarbeiter, Vorgesetzte und Personalabteilungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Nahezu vier von zehn deutschen Arbeitnehmern (39,4 Prozent) geben an, von ihrem Unternehmen und ihrem Vorgesetzten die notwendige Unterstützung für ihre Weiterentwicklung zu erhalten. Sie erleben, dass nicht allein ihre Leistung zählt, sondern auch, wie sie in Zukunft arbeiten können. Es geht dabei nicht nur um die Teilnahme an Schulungen, sondern auch um Gespräche, bei denen der Fokus auf den weiteren Karriereweg gerichtet wird. Einer von fünf (19,7 Prozent) gibt an, dies nicht für möglich zu halten und nur seiner aktuellen Leistung entsprechend beurteilt zu werden. Weitere 16 Prozent erklären, dass jegliche Form von Feedback fehlt.

Die Hälfte der Arbeitnehmer erwägt eine Umschulung

„Lernen und Entwicklung beschränken sich in der Regel auf klassische Formen der Aus- und Weiterbildung und haben sich bisher auf Fähigkeiten konzentriert, die für den aktuellen Arbeitsplatz wichtig sind. Nichtsdestotrotz gibt fast die Hälfte – 49,6 Prozent, um genau zu sein – der deutschen Arbeitnehmer an, sicherstellen zu wollen, dass ihre Fähigkeiten im Falle einer Umstrukturierung oder bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz weiterhin relevant sind und bleiben. Daher ist es wichtig, dass sowohl der Vorgesetzte als auch der Mitarbeiter künftig ausreichend Initiativen ergreifen, um Karriereambitionen zu fördern“, kommentiert Jan Laurijssen, Senior Managing Consultant bei SD Worx.

Über die Umfrage

Diese Umfrage ist Teil einer groß angelegten Studie über die Zukunft der Arbeit und ist eine Zusammenarbeit zwischen De Tijd, L'Echo, SD Worx, Bpact/Indiville und der Antwerp Management School. Sie ist Teil der Forschungsagenda von SD Worx und der Antwerp Management School für den SD Worx Lehrstuhl „Next Generation Work: Creating Sustainable Careers”. Im Rahmen dieses Lehrstuhls wird seit 2011 untersucht, wie sich das berufliche Umfeld verändert und was dies für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Arbeitsmarkt bedeutet.

Die Online-Umfrage wurde zwischen dem 23. Februar 2020 und dem 12. März 2020 unter 3.870 Arbeitnehmern und 2.498 Führungskräften durchgeführt. Die Befragten stammen aus einer internationalen Umfrage in Belgien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.