Ein fürsorglicher Arbeitgeber – betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich aus

23 Oktober 2019 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 7 Minuten

Studien

Der Rücken schmerzt und der Stress am Arbeitsplatz wird schleichend chronisch. Die tägliche Arbeit hinterlässt bei jedem Spuren. Ob vor physische, psychische oder soziale Belastung, jeder Arbeitnehmer sollte sich schützen. Dass das nicht immer so einfach ist, zeigen der BKK-Gesundheitsreport. Die drei häufigsten Ursachen für eine Krankmeldung waren Muskel- oder Skeletterkrankungen (z. B Rückschmerzen) mit 24,7 Prozent. Gefolgt von psychischen Störungen mit 16,6 Prozent. Auf Platz 3 befindet sich, mit 14,8 Prozent die Atemwegserkrankung. Durchschnittlich fehlte ein Arbeitnehmer im Jahr 2018 insgesamt 17,2 Werktage. Den einen oder anderen dürfte es überraschen, im Gesundheitsreport konnte festgestellt werden, dass ältere Angestellte nicht häufiger erkranken als die Millennien oder die Generationen Y. Die höhere Anzahl an Fehltagen bei älteren Kollegen ergeben sich durch eine längere Genesungsdauer.

In der Metastudie der Techniker Krankenkasse, basierend auf der Mitarbeiterbefragung von „Gesund in die Zukunft“, gaben 43 Prozent der 9.000 befragten Teilnehmer und Beschäftigten an, auf der Arbeit belastet oder gar stark belastet zu sein. Bei allen männlichen Teilnehmern lag die Arbeitsbelastung noch höher, auf 44 Prozent. Ausschlaggebend bei der Entstehung von Krankheiten durch Belastung ist das Alter und fehlende Prävention. Für jüngere Arbeitnehmer ist es fast schon selbstverständlich hohe Arbeitsbelastung hinzunehmen und zu bewältigen. Doch auch bei der Gesundheit der jüngeren Arbeitskollegen hinterlassen Stress und Druck schnell die ersten Spuren. Auf die ersten psychischen Belastungssymptome wie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit, können physische Beschwerden, Burn-out, und im schlimmsten Fall, eine Depression folgen. Ob in jungen Jahren oder im späteren Arbeitsleben, ratsam ist eine hohe Arbeitsbelastung rechtzeitig als Problem anzuerkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Unsere digitale Welt zeichnet sich durch Schnelligkeit, Komplexität und Intensivität aus. Verkürzte Kommunikationswege und verbesserte Informationsmöglichkeiten unterstützen die Mitarbeiter und schaffen Raum, für mehr Arbeit. 52,7 Prozent gaben in der Metastudie an einen Beruf mit hoher Intensität auszuüben. Die Unterbrechungen und Behinderung von Arbeitsprozessen fördern Termindruck und Zeitmangel, was oft in einer Mehrfachbelastung endend. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der befragten Menschen (76,2 Prozent) angibt, dass ihr Berufsbild und die Aufgabenstellungen komplexer Natur sind.

Der Großteil der Arbeitnehmer bestätigt in einem Unternehmen mit guten Informations- und Kommunikationsfluss (68 Prozent) zu arbeiten. Auch an mangelhaften Strukturen kann es nicht liegen, mit 75 Prozent sind drei viertel der deutschen Unternehmen strukturell gut aufgestellt. Umso näher liegt die Vermutung, dass die Mehrfachbelastung und Stress hauptsächlich für die Fehltage verantwortlich sind.

Der krankheitsbedinge Ausfall von Arbeitskraft ist ein massiver Schaden für die Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Umso interessierter sollte der Arbeitgeber an der Gesundheit der Menschen sowie deren Erhaltung sein.

Geistig und körperlich - Das Thema Gesundheitsförderung zahlt sich aus

Prävention ist hierbei das Schlüsselwort. Viele Krankheitsbilder, wie der Bandscheibenvorfall im Nacken und Rücken, sind das Ergebnis von jahrelanger Belastung des Rückens und fehlender Bewegung. Ob sitzend im Büro oder mit schwerer Last auf der Baustelle, beide Arbeitsorte können bieten Möglichkeiten die Top 3 Ursachen für Arbeitsausfälle zu vermieden. Vor allem handwerkliche Betriebe und Mittelständler sind bei der Thematik Gesundheitsprävention schnell überfordert. Ob Stehtisch im Büro, oder Rückenschulungen für ein bewussteres Arbeiten auf der Baustelle. Die Möglichkeiten für Arbeitgeber sind unbegrenzt. Die Implementierung, Inhalt und die Inbetriebnahme eines Präventiv- und Gesundheitsprogrammes braucht Zeit.
Aufgrund dessen lohnt es sich, vor allem für kleinere Betriebe, sich von einem Experten beraten zu lassen. Gesetzliche Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse, bieten allen Arbeitgebern einen Beratungsservice an. Des Weiteren publizieren sie wissenschaftliche Arbeiten zu allen wichtigen und interessanten Themen des Berufslebens, wie zum Beispiel der richtige Umgang mit Wasser, Ernährung, Schlaf und Maßnahmen für Sport und Reha.

Das sich ein gutes Gesundheitsmanagement auszahlt, zeigen die Ergebnisse von Statista Research Department. 2009 beliefen sich die Kosten, verursacht durch Krankheit, auf insgesamt 129 Milliarden. Diese Kosten entstehen durch 5 Aspekte. Kompensation, bei einem Krankheitsfall müssen Aufgaben an andere Kollegen abgegeben werden, welche dann unter der verstärkten Mehrfachbelastung leiden. Sollte sich der Krankheitsbedingte Ausfall als ein langfristiger erweisen, kommen die Kosten für eine Vertretung hinzu. Auch die Stimmung im Unternehmen und die Produktivität verschlechtern sich Zunehmens. Durch Verzögerungen in der Produktion, Service und Auslieferung beim Kunden, leidet auch das Image.

Der Arbeitgeber sollte seine Mitarbeiter weder überfordern noch unterfordern, denn beides führt zu Stress. Während der Arbeitszeit eine Balance zu finden, ist für das ganze Unternehmen wichtig. Zwar ist es immer leichter gesagt als getan, jedoch ist es dringend notwendig. Unterschätzt wird hierbei häufig die Rolle der Führungskräfte. Hierzu kommt, dass die Vorgesetzten das Arbeitstempo und Intensität bestimmen.

Ist der Führungskraft nicht bewusst zu welchen Arbeitsbedingungen die Mitarbeiter tagtäglich ihre Arbeit verrichten müssen, findet auch keine Veränderung und Verbesserung der Gesundheitsförderung im Unternehmen statt. Deshalb ist der erste Schritt zu einer guten Gesundheitsförderung, das klassische Mitarbeitergespräch. Eine gemeinsame Arbeitsplatzanalyse kann Mitarbeiter wie Unternehmen dabei helfen, Gesundheitsrisiken zu minimieren. Dadurch lassen sich nicht nur der Ausfall von Arbeitskraft und Fehltage minimieren, sondern es trägt auch maßgeblich zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit und Wohlbefinden bei. Am Ende ist die Gesundheitsförderung auch immer eine Investition in das wertvollste Kapital eines Unternehmens: die eigenen Mitarbeiter.

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