Finanzierung der Digitalisierung: Wer soll das bezahlen?

19 August 2021 - Das Lesen dieses Beitrages dauert 5 Minuten

Digitalisierung

Die COVID-19-Pandemie hat der Digitalisierung in Deutschland erheblich Vorschub geleistet. Jetzt, wo sich das Rad schon einmal in Bewegung gesetzt hat, wollen viele Unternehmen auf den Zug aufspringen. Aller frommen Wünsche zum Trotz gibt es da aber ein Hindernis: die Finanzierungsfrage. Während große Unternehmen häufig in der Lage sind, ihre Digitalisierungsprojekte aus dem Cashflow zu bedienen oder die nötigen Gelder aus Fremdfinanzierungen aufzutreiben, stehen KMU mit dem Rücken zur Wand. Die klassische Hausbank reißt sich nämlich nicht um Kunden, die hohe Summen in nicht greifbare Werte investieren wollen.

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Warum Investitionen in die Digitalisierung jetzt nötig sind

Haben die Global Player bei der Digitalisierung längst eine Vorreiterstellung eingenommen, hängen kleinere Unternehmen deutlich hinterher. Insbesondere der Mittelstand knabbert an der Herausforderung, während des Tagesgeschäfts noch für echte Innovationen zu sorgen. Neben der nötigen Manpower, um sich mit dem künftigen Bedarf an digitalen Lösungen zu beschäftigen, mangelt es am Know-how für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Wie eine Studie von KfW-Research aus dem Jahr 2020 zeigt, verfügen 34 Prozent der KMU nicht über Digitalkompetenzen. Für die Umsetzung von erfolgversprechenden Digitalisierungsvorhaben sind diese aber Grundvoraussetzung.

Doch der richtige Zeitpunkt, um digital aufzurüsten, ist jetzt gekommen. Haben die Wettbewerber in der Branche ihre Prozesse erst einmal umgestellt und neue, digitale Geschäftsmodelle für sich besetzt, können sich KMU nicht mehr die Rosinen herauspicken, sondern müssen nehmen, was vom Markt übriggeblieben ist. Der Druck, mit dem technologischen Fortschritt nicht nur Schritt zu halten, sondern ihn aktiv voranzutreiben, steigt – auf kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie auf große Konzerne.

Wie viel kostet Digitalisierung eigentlich?

Die digitale Transformation lässt sich nicht allein durch die Einführung einer einzelnen Softwarelösung oder die Anschaffung einer neuen Maschine voranbringen. In der Praxis ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich, um ein Unternehmen auf Basis der Digitalisierung bereit für die Anforderungen von morgen zu machen. Doch wie groß werden die Investitionen in die Digitalisierung nun sein? Dies lässt sich nicht pauschalisieren, denn die Kosten hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab:

  • Welchen Digitalisierungsgrad hat das Unternehmen bereits erreicht und welche Maßnahmen sind noch nötig?
  • Welche Ziele sind überhaupt zu erreichen? Genügt es, einzelne Prozesse zu automatisieren, oder soll das gesamte Unternehmen digitaler werden?
  • Gibt es bereits standardisierte Lösungen, die die Basis für die Automatisierung bilden können, oder sind individuelle Lösungen erforderlich?
  • Wie gut ist es um die Qualifikation der Belegschaft bestellt? Müssen Unternehmen in die digitale Weiterbildung investieren und qualifiziertes IT-Personal einstellen, oder ist das nötige Digitalisierungs-Know-how bereits vorhanden?

Klar ist: Je größer der Bedarf an Digitalisierung, desto größer ist auch das Investitionsvolumen. Und umso schwieriger wird es, eine geeignete Finanzierung zu finden.

Finanzierung bei der Hausbank: warum sie dankend ablehnt

Der wichtigste Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen ist noch immer die regional ansässige Hausbank. Doch diese ist wenig begeistert, wenn ihre Kunden große Ambitionen im Feld der Digitalisierung verfolgen wollen. Hintergrund ist ihr Sicherheitsbedürfnis. Klassische Banken kennen das Geschäft ihrer Kunden nicht bis ins Detail und können deshalb häufig auch nicht nachvollziehen, welche Vorteile Digitalisierungsprojekte für die Zukunft haben könnten. Effizientere Prozesse, wirtschaftlichere Maschinen, geringere Stillstandszeiten – dies alles sind Faktoren, die zwar einen enormen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens haben, sich aber nur schwer in die vorgegebenen Kriterien von Bankenratings und Bonitätsprüfungen pressen lassen.

Die Folge: Digitalisierungsprojekten mangelt es an der materiellen Absicherung durch Anlagevermögen, das die Bank im Falle der Zahlungsunfähigkeit verwerten kann. Für sie gibt es im Hinblick auf die Investition in die digitale Transformation kaum einen Unterschied zwischen Risiko- und Wagniskapital für hochriskante Start-ups und strategischen Digitalisierungsplänen von erfolgreichen Unternehmen – in beiden Fällen fehlt die in der klassischen Finanzierung notwendige Sicherheit.

Finanzierung der Digitalisierung: Der Mix macht’s

Je nach angedachtem Digitalisierungsvorhaben und Verständnis des Bankberaters kann es mit einem klassischen Bankdarlehen klappen – die ideale Lösung ist das nur in wenigen Fällen. In der Praxis gibt es jedoch eine Vielzahl von Fördermitteln aus staatlichen Quellen, mit denen sich die Digitalisierungspläne zumindest zum Teil finanzieren lassen. Neben verschiedenen KfW-Krediten kommen auch staatliche Förderprogramme wie das „ZIM“ oder „Digital jetzt“ in Frage. 

Zusätzlich sollten sich Unternehmer stets auch darüber informieren, welche Förderprogramme von ihrem Bundesland angeboten werden. Je nach Firmensitz belohnen die Länder ihr Engagement mit Förderkrediten und -geldern bis 6 Millionen Euro.

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Zukunftsaussichten für die Digitalisierung in KMU

Kleine und mittlere Unternehmen wählen überwiegend die „Politik der kleinen Schritte“. Eine Studie im Auftrag der KfW-Banken zeigte 2016, dass der Mittelstand seine Investitionen in die digitale Transformation vorrangig aus dem eigenen Cashflow finanziert. Entsprechend verfolgen sie ihre Ziele in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen. Dennoch ist für sie die Digitalisierung ihrer Prozesse nicht unerreichbar: Mit den richtigen Förderprogrammen können sie teilweise bis zur Hälfte der Kosten bezuschussen lassen oder zumindest kostengünstig finanzieren. Dies ist das ideale Sprungbrett für die Ausweitung der eigenen Bemühungen.

Das Bewusstsein dafür, dass digitale Technologien zukünftig zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, ist vorhanden. Einer Studie von Ernst & Young im Jahr 2018 über die Digitalisierung im deutschen Mittelstand zeigte, dass 60 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen der Digitalisierung eine mittelgroße bis sehr große Bedeutung beimessen. Dementsprechend wichtig ist es aber auch, dass es nicht nur staatliche Hilfen zur Stärkung des Mittelstands gibt, sondern auch Beratungsangebote wie die deutschlandweit aufgebauten Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren.

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