Rekrutierung, Bewerbungsprozess und Onboarding: So sehen deutsche Arbeitnehmer*innen ihre Employee Journey

22 Juni 2021

Die meisten Menschen finden über die eigene Familie, Freund*innen und Bekannte einen neuen Job. Das geht aus einer Umfrage des HR- und Payroll-Spezialisten SD Worx hervor, die in vier europäischen Ländern durchgeführt wurde. Knapp 24 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer*innen kamen durch persönliche Kontakte an ihre derzeitige Stelle. Andere Neuzugänge wurden dagegen über die Karriereseite ihres Unternehmens darauf aufmerksam. Auffällig ist, dass Kanäle wie LinkedIn, Facebook und Twitter bei der Rekrutierung neuer Talente nur eine untergeordnete Rolle spielen. Gerade deshalb profitieren Unternehmen bei ihrer Suche von Employer Branding – vor allem jetzt, da sich die Wirtschaft langsam wieder erholt.
Diese Erkenntnisse gehen aus einer Studie zu Erfahrungen von Arbeitnehmer*innen auf europäischer Ebene hervor, bei der 5.000 Arbeitnehmende aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden befragt wurden. Im Rahmen der Umfrage wurden sie zu Themen wie der Rekrutierung neuer Talente, dem Bewerbungsprozess, dem Onboarding, der täglichen Arbeit, der persönlichen Weiterentwicklung und dem beruflichen Aufstieg, der Vergütung sowie dem Offboarding befragt. Aus Deutschland haben 1.000 Arbeitnehmer*innen teilgenommen.

 

figures Bald beenden in Deutschland zahlreiche junge Talente ihre Schulzeit oder ihr Studium und drängen auf den Arbeitsmarkt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie dann über persönliche Kontakte einen Job finden, so wie knapp 24 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer*innen. Im internationalen Vergleich liegt dieser Prozentsatz deutlich über dem Durchschnitt (circa 18 Prozent). Das heißt, hierzulande kommt es mehr auf persönliche Kontakte an. Auf Platz zwei in der Rangliste befindet sich mit fast 14 Prozent die Karriereseite der einzelnen Unternehmen. Danach folgt mit etwa 13 Prozent der persönliche Kontakt durch die Arbeitgeber*innen. Viel weiter oben als in anderen Ländern rangiert in Deutschland außerdem die Karrieremesse (etwa 13 Prozent).

Großes Potenzial im Bereich der sozialen Medien

Die Umfrage zeigt deutlich, dass es im Bereich der sozialen Medien noch großes Potenzial gibt, neue Talente zu entdecken. Über Facebook entstand laut den vorliegenden Daten nur für knapp fünf Prozent ein erster Kontakt zu zukünftigen Arbeitgeber*innen – über LinkedIn waren es rund drei Prozent und über Twitter über zwei Prozent. Zudem gaben circa vier Prozent an, dass sie direkt online oder per E-Mail kontaktiert wurden. Zu bedenken ist allerdings, dass viele Befragte bereits seit mehr als 20 Jahren bei ihrem Arbeitgeber beschäftigt sind. Damit hat dieser Teil seinen Job in einer Zeit gefunden, in der soziale Medien noch in den Kinderschuhen steckten.

„Es ist bemerkenswert, wie schlecht die Kanäle im Bereich der sozialen Medien bei der Rekrutierung neuer Talente aktuell abschneiden. Noch immer herrscht ein harter Kampf um die Talente und daher sollten Unternehmen das bestehende Potenzial nutzen – also in die sozialen Medien investieren. Entscheidend ist es, das eigene Employer Branding in den Fokus zu stellen. Das hilft Unternehmen, Kandidat*innen für sich zu gewinnen“, erklärt Cathy Geerts, Chief HR Officer bei SD Worx.

Gute Note für den Bewerbungsprozess

Der Bewerbungsprozess bei deutschen Unternehmen bekommt von den Arbeitnehmer*innen eine gute Note: Rund 77 Prozent sehen ihn rückblickend positiv bis sehr positiv, knapp 20 Prozent haben eine neutrale Wahrnehmung und für drei Prozent war es eine negative bis sehr negative Erfahrung. Den Ländervergleich führen die Niederlande an. Dort sind es insgesamt über 88 Prozent, die den Bewerbungsprozess positiv bis sehr positiv bewerten. Der Durchschnitt aller Länder liegt hier bei 78,5 Prozent.
Auch die einzelnen Aspekte des Bewerbungsprozess schneiden hierzulande positiv bis sehr positiv ab. Dazu gehören das Bewerbungsgespräch (85,5 Prozent), der Auswahltest (knapp 75 Prozent), die Kommunikation vor und nach dem Gespräch (circa 80 Prozent) und die Dauer des Prozesses (fast 75 Prozent). Im letzten Jahr fanden die einzelnen Schritte des Bewerbungsprozesses außerdem länderübergreifend häufiger auf digitalem Weg statt. Der Grund dafür war die COVID-19-Pandemie. Jedoch blieb es weiterhin überwiegend bei direkten Kontakten.

„In vielen Unternehmen ist der Bewerbungsprozess zur eingefahrenen Routine geworden. Das ist aber nicht immer ein positiver Trend“, erläutert Cathy Geerts. „Es kann nicht schaden, den Prozess regelmäßig anzupassen. Je wohler Kandidat*innen sich im Prozess fühlen, desto leichter können Unternehmen sie für sich gewinnen. Bewerber*innen ähneln in dieser Hinsicht Kunden und Kundinnen: Wenn sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben, berichten sie davon in ihrem persönlichen Umfeld – oder sogar darüber hinaus.“

Onboarding gelingt durchweg

Nach der Einstellung folgt in Unternehmen das Onboarding. Für 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen war dieser Prozess laut der Umfrage positiv bis sehr positiv. Weitere knapp 16 Prozent stehen ihm neutral gegenüber. Für rund vier Prozent ist damit ein negatives Gefühl verbunden.
Trotz der COVID-19-Pandemie lief die erste Begrüßung der neuen Mitarbeiter*innen bei 63 Prozent auch im vergangenen Jahr komplett persönlich ab. Das weitere Onboarding erfolgte bei rund 57 Prozent im Rahmen einer direkten Zusammenarbeit. Bei über 62 Prozent halfen Kolleg*innen dabei und bei 38,5 Prozent waren es der/die Arbeitgeber*in oder ein Supervisor. Weitere rund 14 Prozent erhielten eine*n Mentor*in oder Buddy und über zehn Prozent waren auf sich selbst angewiesen.
„Nicht alle europäischen Unternehmen investieren ausreichend Zeit und Energie in das Onboarding ihrer neuen Arbeitnehmer*innen“, sagt Cathy Geerts. „Dabei ist es entscheidend dafür, dass sich die Neuzugänge so schnell wie möglich im Team wohlfühlen und sich zügig einarbeiten können. Davon profitieren sowohl die neuen Mitarbeiter*innen als auch die Unternehmen. Ein gutes Onboarding beginnt schon, bevor diese ihren ersten Arbeitstag antreten.“